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Eine Seilschaft? Alle ziehen an einem Strang!

am Samstag, 29 Oktober 2011. Veröffentlicht in Pressemitteilungen

Verkäuferinnen und Verkäufer des Straßenmagazins bodo zeigen Solidarität

„Ob jung oder alt und ganz gleich, mit welchen Problemen jemand zu uns kommt, bei uns wird jeder aufgenommen, der arm oder wohnungslos ist, wenn er sich an die Regeln hält“, sagt Gerd (vorne links im Bild), Verkäufersprecher in Dortmund.
Die Dortmunder Verkäuferversammlung wehrt sich gegen die Vorwürfe eines ehemaligen Verkäufers, der in den Ruhr Nachrichten ein Forum gefunden hatte. „Uns hat niemand gefragt, obwohl wir ja deutlich sichtbar sind in der Stadt“, klagt Rosi (rechts), Verkäuferin am Hansaplatz. „Jeder kann uns ansprechen, uns bei unseren Versammlungen besuchen, und sehen, wie wir miteinander umgehen.“

Der ausgeschlossene Verkäufer demonstrierte gegen seinen bereits ein halbes Jahr zurückliegenden Ausschluss. Die Ruhr Nachrichten bildeten das Transparent ab und zitierten den ehemaligen Verkäufer mit dem Vorwurf, Verkaufsplätze würden „nach einem Seilschaften-Prinzip“ vergeben, obwohl das jeder Grundlage entbehre.
Seitdem sind die Verkäuferinnen und Verkäufer in der Dortmunder Innenstadt kritischen Nachfragen und Anfeindungen ausgesetzt. Sie sehen ihre eigene Situation erschwert und die Zukunft der spendenfinanzierten Angebote gefährdet. Auf der Verkäuferversammlung am Freitag entschieden sie sich für ein Flugblatt und ein Gruppenfoto als Redaktion auf die haltlosen Vorwürfe: „Wir ziehen alle an einem Strang!“

Die Dortmunder Verkäuferversammlung betont, wie erfolgreich das Mitbestimmungsmodell bei bodo funktioniert. Die Regeln sind leicht zu vermitteln: Keine Drogen und kein Alkohol während des Verkaufs, keine Gewalt und Solidarität mit den anderen Verkäufern. Bei Verfehlungen gibt es ein abgestuftes System von Reaktionen. Die meisten Konflikte werden direkt im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen gelöst.  Rosi: „Das beste Argument ist, dass das Fehlverhalten des Einen den Anderen schadet. Das sieht jeder Verkäufer schnell ein. Keiner möchte ja schief angeguckt werden für etwas, was ein anderer getan hat.“
Bei wiederholten Schwierigkeiten bitten Verkäufersprecher und die Vertriebsmitarbeiter des Vereins zum Gespräch. Nur in seltenen Fällen spricht der Verein Sanktionen wie ein zweiwöchiges Verkaufsverbot aus, fast immer werden einvernehmliche Lösungen gefunden.
Einen Ausschluss vom Verkauf hat es in den letzten Jahren nur ein einziges Mal gegeben – im aktuellen Fall.
Auf die Frage, was sich die Mitarbeiter wünschen, ist sich die Verkäuferversammlung einig: Ein schnelles Ende des Spuks falscher Vorwürfe und eine faire Berichterstattung.