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Zwischen Kartons, Bücherstapeln und Menschen

am Freitag, 17 Februar 2012. Veröffentlicht in bodo blog

Zwei Wochen haben sie uns für das Praktikum gegeben. Wahrscheinlich weil für jede weitere Woche mehr zu viel Unterricht drauf ginge. 

Zwei Wochen erschienen mir viel zu wenig, um in der Zeit etwas Vernünftiges zu machen und ich sah mich schon im Kindergarten sitzen. Sicher wäre das eine gute Möglichkeit gewesen um zwei Wochen rumzukriegen, immerhin kann man mit Kindern eine Menge anfangen, doch so ganz zufriedenstellend war die Vorstellung nicht. Schließlich habe ich nicht vor, später im Kindergarten zu arbeiten. „Was möchtest du denn später mal machen?“ „Irgendwas im Bereich Journalismus und Medien. Aber nicht zur Tageszeitung, das ist langweilig.“

bodo klang auf jeden Fall besser als Tageszeitung. In so einer Straßenzeitung stehen oft viel interessantere Dinge. Was als Reiz für mich hinzu kam war, dass bodo ja nicht nur Zeitung ist. Und nicht zu vergessen, der soziale Aspekt. Hörte sich also gut an.

Meinen ersten Tag begann ich ohne wirkliche Erwartungen. Angst vor den so genannten Praktikantenjobs hatte ich nicht. Die gehören eben dazu. Wenn ich später mal arbeite, kann ich ja auch meine Praktikanten von A nach B schicken. Nach kurzen anfänglichen Schwierigkeiten, das Büro zu finden (ich bin bestimmt 10 Treppen nach oben gelaufen um dann festzustellen, dass ich ganz nach unten muss) wurde ich also freundlich empfangen und in die Runde zu den beiden Redakteuren und einem weiteren Praktikanten gesetzt. Sofort viel mir die Menge an Büchern und Kartons auf. Mir wurde klar, warum diese Räume langsam zu eng wurden und deshalb ein Umzug bevorstand. Es ging wieder hinaus in die eisige Kälte- Kleiderspenden im Secondhandladen sortieren. Keine schöne Arbeit, aber gehört eben dazu. Zu meiner großen Freude mussten wir Praktikanten das nicht ganz alleine machen.

Wieder im Warmen folgte ein Gespräch mit Bastian Pütter. Was mich erwartet, was so gemacht werden muss und –da kam die nächste Freude auf- dass mein Arbeitstag von 9 bis 13 Uhr ginge. Na klar, Praktikum soll ja auch Spaß machen. Gleich am ersten Tag bekam ich schon einen Artikel. Über bodos Bürohund. Na also dachte ich da geht’s doch schon los. Das schien weitaus spannende als das altbekannte Taubenzuchtverein-wird-50- Motiv, das Praktikanten bei Tageszeitungen erwartet. Zu guter Letzt- Arbeit muss ja sein- wurde ich vor einen Stapel Zeitungen gesetzt, mit dem Auftrag Artikel nach bestimmten Suchbegriffen auszuschneiden (Nordstadt, Soziales, bodo). Pressespiegel erstellen. Gehört auch dazu. Noch während ich da saß, in den Zeitungen herumblätterte und nach Artikeln suchte, kam mir der Gedanke gleich hier zu bleiben. Erstaunlich wie leid man die Schule nach 10 Jahren ist, wenn man das Ganze schon gegen einen Tageszeitungsstapel eintauschen würde.

So endete mein erster Tag. Klingt vielleicht langweilig, doch in den zwei Wochen war kein Tag wie der andere. Ich habe im Buchladen ausgeholfen. Bücher sortieren oder einpacken. Später war ich im Secondhandladen und habe die Kleider weiter sortiert. Neben dem Bürohund durfte ich einen weiteren Artikel verfassen. Über die Zoff-Jugendberatung in der Nordstadt. Auch ein gutes Thema. Zwei schöne Artikel (mit diesem hier sogar drei), der Blick in zwei weitere Bereiche von bodo, eine super Arbeitszeit und nette Leute. Ich war wirklich froh, nicht im Kindergarten zu sitzen.

Dann, nach einer Woche kam der allererste und einzige Praktikantenjob. Ich hatte kaum noch damit gerechnet. Die Milch wäre alle, ob das in Ordnung wäre, wenn ich neue kaufen würde. Na klar, ohne Murren und Knurren wurde das erledigt, wofür war ich denn da? Ein großes Thema in meiner Zeit war natürlich immer wieder der Umzug. Wie werden die neuen Räume eingerichtet? Wo bekommen wir was? Was brauchen wir noch? Zwischen vielen Kartons, Bücherstapeln und manchmal etwas chaotischen aber durchaus netten Menschen verrichtete ich meine zwei Wochen Praktikum. Da habe ich ja doch noch etwas Vernünftiges geschafft – auch wenn ich gerne noch etwas länger geblieben wäre. Die Arbeit in der Redaktion scheint für mich irgendwie sinnvoller als Mathe und Physik.

Johanna Schumann ist Schülerpraktikantin bei bodo.

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