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Goethe geht ja immer

Autor bp am Donnerstag, 02 Februar 2012. Veröffentlicht in bodo blog

Goethe geht ja immer
„Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, sollte die Gegend verlassen, in der sie gelten.“ Etwas zum Nachdenken hat, wer in die neuen Zellen der Dortmunder Bundespolizei in der ehemaligen Disko „Live Station“ wandert. Einen echten Goethe. Nun ist sowohl Goethe als auch Gefangene unter Sinnsprüchen herlaufen zu lassen, etwas aus der Mode gekommen, doch dank www.gratis-spruch.de ist selbst der Geheimrat wieder an Bord.

Goethes weitgehend unzugängliches Alterswerk „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ liegt eher nicht auf den Reißer-Paletten in der Mayerschen, was beim späten Goethe als Zeichen von Qualität galt („Je inkommensurabeler und für den Verstand unfaßlicher eine poetische Produktion, desto besser.“) Doch der markige Satz des Leiters einer „pädagogischen Provinz“, wir würden sagen: eines Eliteinternats, hat es in die Zitatensammlungen des 19. Jahrhunderts und damit letztlich auch ins Internet geschafft.

Auf der Startseite der Internetpräsenz des Kleingärtnervereins Dimmelsberg e.V. warnt er Laubfegemuffel, und einer Mietdisko bei Hamburg mit dem schönen Namen „Shooters“ dient er als Kurzform der Hausordnung. Eine Drohung, aber hochkulturell abgefedert.

Doch was will uns die Bundespolizei sagen? Deren Gegend heißt Bundesrepublik und kennt im Gegensatz zu allen deutschen Staaten, die Goethe erlebt hat, keine Untertanen, die man rauswerfen kann, sondern Staatsbürger, deren Ausbürgerung verboten ist (Art. 16 Abs. 1 S. 1 GG). Staatsbürger wird man ungefragt, ex lege. Es gibt kein Draußen mehr.

Also die anderen. Die bildungsbürgerliche Rauswurfdrohung richtet sich demnach allein an diejenigen, bei denen Ausweisung oder Abschiebung eine wirkliche Option ist. Keine Mahnung für die S-Bahn-Randalierer oder Bahnhofsschläger, sondern für diejenigen, die bei den „verdachtsunabhängigen Personenkontrollen“ aus dem Strom der Reisenden gefischt werden. Goethe für Ausländer.

Man kann dem Dichter des West-östlichen Divans sicher viel vorwerfen, aber eine Vorlage für „kriminelle Ausländer raus“ hätte er nicht geliefert. (bp)

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