29. April 2014 | Straßenmagazin |

www.inklusionsfakten.de

Soziales, Kultur, Politik – Jeden Monat stellt bodo ein
Online-Projekt vor, das die Welt ein bisschen besser macht:

www.inklusionsfakten.de

Seit anderthalb Jahren bloggt Lisa Reimann, Vorsitzende des „Integrationsprojekt e.V.“ über Inklusion – die Wertschätzung und Anerkennung von allen Menschen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten in Bildung und Erziehung. Die Heilpädagogin ist sich sehr wohl darüber bewusst, dass es vielerorts an Material, gut ausgebildetem Personal und passenden Räumlichkeiten fehlt, trotzdem war sie es leid, sich mit den immer gleichen Vorurteilen und Gegenargumenten konfrontiert zu sehen. In mittlerweile über zwanzig langen Essays und Artikeln hat sich die Autorin die verbreitetsten Gegenargumente zur Inklusion angeschaut und diese systematisch entkräftet. Dabei verweist sie auf Studien, thematisiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung und führt funktionierende Praxisbeispiele an. So erfährt man zum Beispiel in einem Artikel unter der Überschrift „Die Förderschule für Lernbehinderte ist sinnvoll“ vom „Cooling Out Effekt“: Kommen Kinder mit Förderschwerpunkt „Lernen“ gemeinsam in eine Klasse, so passen sie sich dem niedrigen Lernniveau an und ihr IQ sinkt. Dem Gegenargument, dass inklusiver Unterricht zu teuer sei, stellt sie eine Kostenfolgeabschätzung von Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz gegenüber, die zeigt, dass ein Großteil aller Schülerinnen von „Lernbehindertenschulen“ keinen Schulabschluss erreichen und so später auf soziale Transferleistungen angewiesen sind. „Es kann nicht sein, dass Deutschland bereits 2009 die Behindertenrechtskonventionen der UN unterzeichnet hat und wir heute immer noch darüber diskutieren müssen, ob und wieweit Inklusion sinnvoll ist, obwohl der Artikel 24 da unmissverständlich ist und keinen Interpretationsspielraum bietet: ,inclusive education system at all levels‘, heißt es dort“, so Reimann. In der Pflicht, dieses Problem anzugehen, sieht sie in erster Linie die Politik, die die benötigten Ressourcen für erfolgreiche Inklusion zur Verfügung stellen muss. „Während Deutschland nur 4,55 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Bildung ausgibt, sind es zum Beispiel in Norwegen oder Dänemark über sieben Prozent.“ Doch es geht auf „inklusionsfakten.de“ nicht nur um Kritik an den bestehenden Zuständen. Fallbeispiele, in denen Inklusion bereits gut funktioniert und alle vom gemeinsamen Miteinander profitieren, werden ebenso vorgestellt.