2. Januar 2018 | Kommentar | age

"Unsere Obdachlosen"

Wohnungslosenhilfe von rechts

Wohnungslosenhilfe von rechts

Es gibt Menschen, die wollen Wohnungslosen helfen – aber nur deutschen. Es gibt Menschen, die spenden Kleidung, Schlafsäcke – und fragen, ob die auch bloß kein Flüchtling bekommt. Spätestens seit dem „Sommer der Migration“ 2015 haben rassistische Strömungen die Themen Obdachlosigkeit und Armut entdeckt, um sie für menschenfeindliche Positionen zu instrumentalisieren. Das ist toxisch.

Man arbeite schon mit Initiativen aus anderen Städten zusammen, sagte das Paar, das vor Kurzem Kontakt zu uns aufnahm, nun wolle man auch hier etwas für Obdachlose tun. Bedingung: dass das Engagement nicht Geflüchteten zu Gute kommt. Spätestens seit 2015 auf der Flucht vor Krieg, politischer Instabilität und auf der Suche nach einem besseren Leben Hunderttausende Menschen nach Deutschland kamen, wird auch das Feld der Wohnungslosenhilfe benutzt, Fragen von Verteilungsgerechtigkeit, Zuwendung und staatlicher Unterstützung am Pass auszurichten. Die „Kritik“ ist so perfide wie vereinfacht: „Die“ Flüchtlinge kriegten alles, während „die“ Obdachlosen, gemeint sind freilich nur die deutschen, auf der Straße litten und vom Staat allein gelassen würden. Im Umkehrschluss: Wären die Fremden nicht da, ginge es „unseren Leuten“ besser.

Das ist keine legitime Kritik und hat mit Nächstenliebe nichts zu tun. Es dient dem Ziel, zu spalten, eine drängende soziale Frage rassistisch aufzuladen und zwei Gruppen gegeneinander auszuspielen – hier die, die Hilfe „verdient“ haben, da die, die sie angeblich ausnutzen. Dass enger werdende Wohnungsmärkte, der Mangel an Übernachtungsstellen und Hilfsangeboten, günstigen Wohnungen, Sozialarbeit und Begleitung auf dem Weg in eine Wohnung seit Jahren bekannt ist: geschenkt. Dass es mit „Öffnet die Flüchtlingsunterkünfte für Obdachlose!“ nicht getan ist, dass Menschen ohne Wohnung oft mit vielschichtigen Problemlagen zu kämpfen haben – Details. Das zu erklären ist mittlerweile alltäglicher Bestandteil unserer Arbeit.

Nochmal: Sozialdarwinismus, die Abwertung der Ärmeren, Ausgegrenzten, ist zentraler Baustein rechter Gewalt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zählt 236 Todesfälle seit 1989, bei denen die Täter selbst nicht wohnungslos waren. Den rechten Helfern geht es nicht um Lösungen. Ihnen geht es um Instrumentalisierung, auf dem Rücken derer, die sich nicht wehren können.