30. September 2016 | Pressemitteilung | age

Keine Entspannung

Wohnungssuche im Ruhrgebiet

Wohnungssuche im Ruhrgebiet
Foto: Robert Agthe, CC BY 2.0

Das Ruhrgebiet liegt im Trend. In den Großstädten zwischen Hamm und Duisburg steigen die Mieten, günstige Wohnungen sind knapp. Das geschieht in allen Ballungsräumen, hier kommt der Faktor anhaltend hoher Armut hinzu.

Sechs Euro betrug die durchschnittliche Kaltmiete pro Quadratmeter laut dem aktuellen Wohnungsmarktbericht in Dortmund, ebenso viel zahlen Mietende in Bochum, wenn sie umziehen möchten, etwas weniger in Duisburg. In Dortmund zahlt eine Person für ein 40-Quadratmeter-Appartment 20 Euro mehr im Monat als noch vor zwei Jahren – für manche Menschen kaum erschwinglich.

In NRW fehlt Wohnraum, vor allem günstiger. 120.000 Wohnungen werden in den kommenden Jahren im Land benötigt, auch im Ruhrgebiet, das entgegen jahrelanger Schrumpfung vielerorts wieder wächst. Im Vergleich ist das Wohnen hierzulande erschwinglich: In Münster, Düsseldorf oder dem NRW-Spitzenreiter Köln werden zwischen neun und zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter verlangt. In einer Region, die überdurchschnittlich von Armut betroffen ist, wirkt diese Entwicklung jedoch umso stärker. Das Ruhrgebiet ist „Problemregion Nr. 1“ (Armutsbericht des Paritätischen), hier ist, mit Ausnahme von Aachen, die Armutsgefährdung so hoch wie nirgendwo in NRW (Statistisches Landesamt). Die Zahl derer, die auf Transferleistungen angewiesen sind, steigt konstant, jedoch verschwinden jedes Jahr mehrere tausend Wohnungen, die Sozialämter und Jobcenter als angemessen anerkennen, allein in Dortmund waren es im vergangenen Jahr 1.600.

Die Entwicklung bekommen nicht mehr nur Arbeitslose, Alte, Alleinerziehende, Wohnungslose zu spüren, sondern auch Normalverdienende: Nun wird „auch die Lage im mittleren Preissegment als angespannt“ bezeichnet, heißt es im Dortmunder Wohnungsmarktbericht. In Bochum stehen bis zu 8.000 Wohnungen leer, sie wieder nutzbar zu machen, ist für die Stadt nur schwer möglich. Entspannung ist gefragt, Bauen scheint allgemeine Devise. Doch auch das dauert Jahre. So lange warten Tausende weiter. Denen hilft es wenig, zu wissen, dass es woanders noch schlimmer ist.