24. Juli 2016 | Pressemitteilung | Redaktion

Vom Wohnungsbau müssen alle profitieren

Seminar zu Wohnraumversorgung an der TU Dortmund

Seminar zu Wohnraumversorgung an der TU Dortmund

Wohnungsmangel hat im Ruhrgebiet lange Zeit keine Rolle gespielt. Das ist vorbei, spätestens, seit mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland Zuflucht suchen und sich hier ein Leben aufbauen. Und auch wissenschaftlich werden Fragen von Wohnungspolitik, ausreichender Versorgung und dem „Wohnen für alle“ neu diskutiert. In einem Seminar an der TU Dortmund haben sich im Sommersemester Studierende mit den aktuellen Herausforderungen von Wohnungspolitik auseinandergesetzt. bodo e.V. hat, gemeinsam mit dem Mieterverein Dortmund, aus der Praxis in Dortmund berichtet.

„Wohnraumversorgung und Zugang zum Wohnen für Geflüchtete und andere marginalisierte Gruppen am Wohnungsmarkt“ hieß das Seminar, das Dipl.-Ing. Anne Volkmann an der Fakultät Raumplanung initiiert hatte. Ein Semester lang haben sich Masterstudierende damit beschäftigt, wie sich Wohnungsmärkte und Wohnungspolitik in den vergangenen 30 Jahren entwickelt haben, vor welchen Problemen steuernde Akteure heute stehen und wer besonders betroffen ist.

„Wir erleben, dass es immer schwieriger wird, für wohnungslose Menschen Wohnungen zu finden“, sagt bodo-Redaktionsleiter Bastian Pütter. „Und wir fürchten, dass Wohnungs- und Obdachlosigkeit auch ganzer Familien unter Geflüchteten zunehmend zu einem Problem werden wird. Bei EU-Zugewanderten ist es das bereits. Jedoch können viele Menschen die städtischen Notschlafstellen und Wohnungslosenprogramme nicht nutzen, weil sie zum Beispiel nicht in Dortmund gemeldet sind oder keinen Anspruch auf Sozialleistungen haben. Damit sind sie formal davon ausgeschlossen.“

Im Seminar an der TU Dortmund haben die Raumplanungs-Studierenden ein Positionspapier zu Handlungsansätzen einer sozialen Wohnungspolitik in Dortmund erarbeitet: Forderungen nach der Steuerung des Wohnungsmarktes werden dort ebenso behandelt wie Möglichkeiten, Vorurteile gegenüber neu angekommenen MieterInnen abzubauen und Notunterkünfte für Menschen ohne Obdach zu schaffen. Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund sowie Bastian Pütter und Alexandra Gehrhardt aus der bodo-Redaktion haben dieses Papier zum Abschluss gemeinsam mit den Studierenden diskutiert.

Positiv bewertet der Verein, dass zahlreiche Kommunen, auch Bochum und Dortmund, neue Wohnungen bauen wollen und dabei sozialem Wohnungsbau mehr Gewicht geben möchten. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Doch bis die ersten Wohnungen fertiggestellt seien und Menschen vom zusätzlichen Wohnraum profitieren, brauche es Zwischenlösungen. „Es wäre leicht, zum Beispiel jetzt leerstehende Flüchtlingsunterkünfte als Schlafstellen für Wohnungs- und Obdachlose zur Verfügung zu stellen.“