1. Oktober 2014 | Straßenmagazin |

Wegwerfen? Denkste!

Gerät kaputt? Gibt’s eben ein neues. Ans Reparierenlassen dachte lange kaum jemand. Mittlerweile aber ist eine „Kultur der Reparatur“ (siehe Interview) entstanden, die aus den Hobbykellern das Tageslicht erreicht hat – Hoffnung auf Abkehr von der Wegwerfgesellschaft. Im Evangelischen Gemeindehaus Nette eröffnete jetzt das erste Dortmunder „Repair Café“.

Das „Repair Café“ ist Teil einer aus den Niederlanden stammenden Bewegung, die mittlerweile aus einem losen Netzwerk von über 400 Orten besteht, an denen sich ehrenamtliche Bastler treffen, um defekte Haushaltsgeräte und Elektronik wieder in Betrieb zu nehmen. Das Prinzip ist einfach. Ehrenamtliche Helfer, die über das nötige Know-how und passendes Werkzeug verfügen, kommen in Kontakt mit Leuten, die gerne ein kaputtes Gerät reparieren würden. Gemeinsam wird dann getüftelt und geschraubt, bis das alte Röhrenradio der Großeltern oder der noch gar nicht so alte DVD-Player wieder läuft.

Der Nutzen der gemeinsamen Bastelei ist vielfältig. Zum einem sind es oft nur kleine technische Defekte, die dazu führen, dass ein liebgewonnenes Gerät seinen Dienst quittiert. Scheitert man als Laie oft schon am sachgemäßen Öffnen des Gehäuses, ist ein versierter Hobbybastler schnell im Inneren und kann meist durch das Austauschen eines winzigen Bauteils für wenige Cent dem Gerät neues Leben einhauchen – was bares Geld spart und die Umwelt schont. Doch genauso wichtig wie der ökonomische und ökologische Nutzen sind der gemeinsame Spaß und der Lerneffekt, den die gemeinsame Arbeit mit sich bringt.

Bei der Eröffnung des „Repair Café“ in Nette fanden sich direkt zwölf ehrenamtliche Helfer, die ausgerüstet mit teils hoch speziellem Werkzeug ihren Sachverstand einbrachten. Mit unglaublichem Ehrgeiz grübelte der Elektromeister im Ruhestand gemeinsam mit dem Amateurfunker und der Computerspezialistin über der Trockenhaube, die schon viele hundert Betriebsstunden auf dem Buckel hat. Im Elektrogroßmarkt habe man der Besitzerin bloß geraten, das Gerät zu entsorgen. Eine Reparatur würde sich nicht lohnen.

Im „Repair Café“ steigern hingegen komplizierte und knifflige Reparaturen das Interesse und den Ehrgeiz der anwesenden Spezialisten. So konnten am Eröffnungstag bereits über 20 Elektrogeräte wieder in Betrieb genommen werden. Auch wem nicht direkt geholfen werden konnte, bekam zumindest eine Ersatzteilliste oder die Adresse eines Fachmanns, der weiterhelfen kann.

Direkte Konkurrenz zu kleinen Einzelhändlern will das „Repair Café“ nicht sein. „Es ist uns wichtig, darauf zu achten, dass wir lokalen Unternehmern keine Konkurrenz machen. So verzichten wir z.B. hier in Nette darauf, Näharbeiten an Kleidung anzubieten, um der Schneiderin im Ort keine Kunden streitig zu machen, auch wenn wir Besucher haben, die in dem Bereich helfen könnten“, so Pfarrerin Renate Jäckel von der Noah Kirchengemeinde.

Ansonsten ist das „Repair Café“ nicht auf bestimme Gegenstände festgelegt. Auch Arbeiten an Haus und Garten können in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Passgenau“ der Diakonie realisiert werden. Für die Termine im Gemeindesaal gilt die Faustregel: Alles, was man ohne Hilfe Dritter und ohne Transportmittel tragen kann, ist willkommen. Um telefonische Anmeldung wird gebeten.

Repair-Café
Evangelisches Gemeindehaus Nette
Joachim-Neander-Straße 3 – 5
44359 Dortmund

Sa., den 18. Oktober, 10 – 13 Uhr
Fr., den 28. November, 15 – 18 Uhr

Aktionsraumbeauftragter Nette:
Tel. 0231 – 50 280 30
Seniorenbüro Mengede:
Tel. 0231 – 477 077 60