6. Mai 2016 | Straßenmagazin | Ruben Philipp

Wallfahrt nach Dortmund

Nach Städten wie Köln, Essen, Münster und im letzten Jahr Recklinghausen wird am Dienstag, dem 31. Mai, Dortmund zum Wallfahrtsort für wohnungslose Menschen. Ein Ereignis, das Daniel Schwarzmann, Vikar und Wohnungslosenseelsorger der Nordstadtgemeinde, mit besonderer Spannung erwartet. Genau wie seine beiden Mitstreiter ist er sich der existenziellen Wichtigkeit des Engagements für Menschen in Notlagen bewusst.

Der Wohnzimmertisch im Pfarrhaus der St. Michael-Kirche in der Westerbleichstraße wird dieser Tage häufig als Planungs- und Konferenztisch zweckentfremdet. Kein Wunder, denn das Projekt um Pfarrer und Hausherrn Daniel Schwarzmann (m.) lässt sich sicherlich nicht im Rahmen eines kurzen Telefonats organisieren. Für die diesjährige Obdachlosenwallfahrt am 31. Mai erwarten er und sein Vorgänger Alfons Wiegel (l.) sowie Wilfried Göddeke (r.), ehemaliger Pfarrer der Gemeinden Eichlinghofen und Barop, mindestens 100 TeilnehmerInnen, deren Aufenthalt gut durchdacht und koordiniert werden muss.

Ihr soziales Engagement, über das Schwarzmann noch zu Studienzeiten zu Wiegel fand, verbindet nicht nur die drei Geistlichen, sondern auch die Ehrenamtlichen und Unterstützer des Projekts einer Wallfahrt für Obdachlose nach Dortmund. So sorgen zahlreiche Freiwillige für Vorbereitung, Begleitung und nicht zuletzt auch für die Verpflegung.

Wegpunkte der Wallfahrt sind neben Petri-, Reinoldi- und Marienkirche auch das Gräberfeld für Obdachlose auf dem Ostfriedhof, für das sich in den 1990er Jahren die Pastoren Elbracht und Reinald vehement eingesetzt hatten. Gerade für Wohnungslose sei es wichtig, nicht in Anonymität und damit aus der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt zu werden, betont Alfons Wiegel.

Auch das theologische Leitmotiv der Wallfahrt zielt darauf, eben diesem Anspruch gerecht zu werden: Die „wunderbare Idee des barmherzigen Gottes“ soll helfen, Lebenskraft zu sammeln und zu erhalten. Schwarzmann ergänzt: „Wer glaubt, ist nicht allein“, aber auch ganz weltlich gehe es bei dem jährlichen Treffen um das Erleben von Gemeinschaft und den Austausch mit der Stadtgesellschaft.