4. April 2014 |

Stein mit Vollausstattung

Foto: Sebastian Sellhorst

Mitten in der Dortmunder Innenstadt wird am 5. April der „Stein mit Vollausstattung“ eingeweiht: ein Kunstwerk zum Benutzen, ein Ort zum Verweilen, ein Felsen mit Stromanschluss. Wind und Sonne erzeugen Strom zum Laden von Handys, es gibt kostenloses WLAN und Schließfächer.

„Was soll das?“ oder „Was hat das mit mir zu tun?“, den skeptischen Fragen an Kunst im öffentlichen Raum wird der Kunstfelsen an der Kampstraße weniger ausgesetzt sein als andere Skulpturen. Jugendliche, Ältere und auch bodo-Verkäufer, die den Stein bereits vor Eröffnung in „Besitz“ nahmen, freuen sich bereits auf das ungewöhnliche „Service“-Angebot. Sitzmöbel ohne Konsumzwang sind rar in der Innenstadt, von Ladestrom für den leeren Akku oder kostenlosem Internet ganz zu schweigen.

Dem Kunstwerk der beiden Künstlerduos Stian Ådlandsvik und Lutz-Rainer Müller sowie Mark Pepper und Thomas Woll geht es jedoch nicht nur um die Stillung von Bedürfnissen von Passanten, sondern vor allem um die Fragen, die sich daraus entwickeln.

Ihre auf Einladung des Dortmunder Kunstvereins entwickelte Skulptur nennen sie ein „partizipatorisches Projekt“. Für sie steht der Stein nicht nur im Mittelpunkt der Dortmunder Innenstadt, sondern auch im Zentrum einer Reihe von aktuellen Debatten. Neben der Diskussion um erneuerbare Energien und der Frage nach Teilhabe im Online-Zeitalter und kostenlosem Internet ist es vor allem ein Nachdenken über den öffentlichen Raum und seine Funktion, das der Stein anstößt. In der Sprache der Automobilindustrie: Wollen wir das „Standardmodell“ der gepflasterten Einkaufszonen als Durchgangsstraße ohne Aufenthaltsqualität oder verlangt der öffentliche Raum als Ort der Kommunikation, der Teilhabe und des Miteinanders die „Vollausstattung“?

Diese Fragen können Sie am 5. April mit den Künstlern (und mit uns) diskutieren oder, wann Sie wollen, bei einer (Lade-)Pause auf dem „Stein mit Vollausstattung“ mit ihrem Sitznachbarn erörtern.