2. April 2013 | Neues von bodo |

Spendenaktion: Gute Geschichten!

Chancen schaffen, Menschen auf den Weg zu bringen, ihnen die Gelegenheit zu geben, neues Zutrauen in die eigenen Kräfte zu gewinnen – das ist unsere Arbeit, und sie schreibt „gute Geschichten“.

Wir blicken zurück auf ein ereignisreiches und erfolgreiches Jahr. Mit unseren Räumen in der Dortmunder und Bochumer Innenstadt und mit Zeitungsausgabestellen in Unna, Witten und Herne gelingt es uns, immer mehr Menschen in Not zu erreichen. Durch den wachsenden Zulauf von Menschen ohne Wohnung und ohne Perspektive hat sich unser Beratungsaufwand vervielfacht.
„Erste Hilfe“, die Vermittlung an Fachstellen, die Begleitung oder einfach nur das offene Ohr für oft zuerst unentwirrbar scheinende Probleme, das ist es, was immer mehr Menschen auf der Straße bei uns suchen und finden.
„Gute Geschichten“ – das bedeutet nicht, die Schattenseiten zu verschweigen. Wie in jedem Jahr haben wir Menschen verloren, Verkäufer und gute Bekannte sind gestorben, andere haben es dieses Mal nicht geschafft, stark zu sein, der Sucht zu trotzen. Vergessen werden wir sie deshalb nicht. Nicht jede Geschichte geht gut aus. Zur Zeit denken wir besonders an unserem Verkäufer Karl Wilhelm, der einen Raubüberfall nur durch Zufall überlebt hat und inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung ist und an unsere Tagebuchschreiberin Maike. Kurz vor unserem Drucktermin haben wir erfahren, dass sie im Krankenhaus ist. Wir werden sie besuchen und an sie denken. Alles, alles Gute!
Wir erleben Rückschläge, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit – aber machen eben auch vielfache, großartige Erfahrungen mit Menschen, denen wir aufhelfen können. Wenn wir Birgitt sehen, die nach schwerer Krise und Krankheit auf der Straße gelandet war, wie sie inzwischen selbstbewusst mit ihrer Lebensgeschichte umgeht, sind wir stolz. In Lisa Lyskavas Dokumentarfilm „Standort Sehnsucht“ und zuletzt auf dem Podium unter dem Dach des Dortmunder U konnten sich viele Menschen davon überzeugen. Und sie sagt: „Ohne meine lieben Kundinnen in Hombruch wäre ich nicht da, wo ich bin.“
Oder Adolf, unser ältester Verkäufer, der vor vielen Jahren mit dem Schlafsack unter dem Arm zu uns kam: „Als ich anfing bei bodo, hab ich die Flasche weggeworfen. Ich haben keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken seitdem.“ Beim Renovieren seiner Wohnung halfen seiner Verkäuferkollegen. „Aber zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf. Solange ich draußen bei meinen Kunden bin, bin ich am Leben“, lacht er. Adolf wird im Dezember 79.
Cornel hat Hass und Verfolgung in seiner rumänischen Heimat erlebt. Er kam als Flüchtling, wurde abgelehnt und musste zurück. Mit dem EU-Beitritt Rumäniens ging er nach Spanien, arbeitete als LKWFahrer, als Erntehelfer und auf dem Bau, bis die Krise Spanien erreichte. Für Migranten gibt es dort praktisch keine Arbeit mehr. Zwei seiner Kinder gehen in Dortmund zur Schule, das dritte ist noch klein. Seine Frau hat Arbeit gefunden, er versucht mit Straßenzeitungen zum Lebensunterhalt beizutragen und ist sicher: „Wenn ich eine Arbeit annehmen darf, finde ich auch eine.“
Metins freundliches Gesicht strahlte zuletzt von Plakaten des Dortmunder Schauspiels. Bei „Crashtest Nordstadt“ schlüpfte er in die Rolle eines Immobilienmaklers und versuchte, Theatergästen seine Nordstadtwohnung zu verkaufen: „Die fehlenden Fensterdichtungen sind die Klimaanlage, fließendes Wasser haben wir sogar an der Tapete.“ Metin lacht. „Nicht aufgeben ist mein Motto. Eigentlich glaube ich, dass man das alles allein schaffen muss. Das geht nicht immer. Dann ist bodo für mich da.“

Marcus gehört zum Bermudadreieck fast wie Graf Engelbert. Unser langjähriger Verkäufer kennt aber nicht nur Bochums Ausgehmeile. Als bodos neuer Stadtführer zeigt Marcus die unbekannte Seite Bochums: Entlang des Tagesablaufs eines Wohnungslosen führt Marcus an Orte wie Suppenküchen oder Übernachtungsstellen. Ein echter Experte.
Von Otto ist nicht nur unser Leserbriefschreiber (im Heft S.47) begeistert. Als er vor einigen Monaten zu uns kam, war er fast 14 Jahre auf der Straße – gerade haben wir geholfen, seine Wohnung einzurichten. Nicht nur eine gute, beinahe eine wunderbare Geschichte.
Das sind natürlich nur wenige kurze Beispiele. Mehr als 100 Frauen und Männer, die das Straßenmagazin verkaufen, betreuen wir zurzeit. Alle haben den Wunsch, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Sie können dabei helfen: Ermöglichen Sie uns, unsere Beratungsangebote auszubauen und die Kontinuität unserer Hilfen sicherzustellen. Denn Obdachlosigkeit und Armut sind kein Schicksal. Der Weg aus der Krise kann lang sein, aber wir helfen dabei, ihn zu gehen. Mit Ihrer Spende schreiben Sie mit an diesen guten Geschichten. Herzlichen Dank!
bodo e.V. Spendenkonto Bank für Sozialwirtschaft Essen BLZ 370 205 00 | Konto Nr. 722 39 00