5. August 2015 | Neues von bodo | Redaktion

Sinti und Roma - das kollektive Feindbild Europas

Lesung und Diskussion mit Wolfgang Wippermann

Lesung und Diskussion mit Wolfgang Wippermann

Tief sitzen die Vorurteile gegen die Menschen, die man früher „Zigeuner“ nannte. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa werden Sinti und Roma ausgegrenzt. Der Historiker Wolfgang Wippermann fordert Gerechtigkeit und gesellschaftliche Anerkennung.

Lange waren Sinti und Roma aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitgehend verschwunden: Eine Mischung aus Bettelei und Folklore, das war alles, was von dem einstigen Schreck- und Sehnsuchtsbild der „Zigeuner“ übrig geblieben war. Erst die „Armutszuwanderung“ aus Südosteuropa hat Sinti und Roma wieder ins Blickfeld gerückt – und das alte Feindbild wiederbelebt.

Wolfgang Wippermann geht den Vorurteilen auf den Grund und differenziert religiöse, soziale, romantisierende und rassistische Motive. Zusammen bilden sie, so erklärt er, eine eigenständige Ideologie: den Antiziganismus. Der entsteht nicht etwa im Bodensatz der Gesellschaft oder ist historisch erledigt, diese Ideologie ist nach wie vor politisch gewollt: Sie dient der Abgrenzung vom vermeintlich Fremden und der Legitimation von Herrschaft. Doch sie verletzt den europäischen Wertekanon und muss genauso geächtet
werden, wie es der Antisemitismus wird. Es wird Zeit, dass Europa begreift: Niemand ist ein Zigeuner!

Begleitet wird der Eröffnungsabend von bulgarischen Straßenmusikern aus Dortmund. Für das leibliche Wohl ist durch leckere Balkanspezialitäten bestens gesorgt.

Moderation: Bastian Pütter (bodo e.V.)
Mittwoch, 2. September 2015, 19.00 Uhr
Ort: Theater im Depot, Immermannstraße 29
44147 Dortmund
Förderer & Veranstalter: Planerladen e. V.,
Alevitische Gemeinde Dortmund, bodo e. V.
Eintritt: frei