25. Februar 2014 | Neues von bodo |

Schulbesuch bei bodo

Foto: Aylin Aydin Yaprak

Inzwischen besuchen wir regelmäßig Schulklassen – auch in Begleitung von Verkäufern des Straßenmagazins – und berichten sowohl bei Armutsthemen, als auch wenn es um Journalismus geht – von unseren Erfahrungen aus der Praxis.

Gerne laden wir aber auch in unsere Räume nach Dortmund oder Bochum ein, so zum Beispiel zuletzt den SoWi-Kurs von Jörg Pfennig vom benachbarten Stadtgymnasium. Die Zwölftklässler kamen bestens vorbereitet und diskutierten mit bodo-Redaktionsleiter Bastian Pütter engagiert über die Ursachen von Obdachlosigkeit, soziale Ungleichheiten und die Rolle des Sozialstaats. Sie schreiben: „Als wir die Redaktion verlassen, haben wir ein tieferes Verständnis davon, wie die Organisation bodo funktioniert und die Obdachlosen unterstützt. In Zukunft werden wir vielleicht zweimal überlegen, ob wir an einem bodo-Verkäufer nur vorbeilaufen oder offen auf diesen zugehen.“

Hier der komplette Text der Schülerinnen:

Lokaltermin = Unterricht² – Nur eine Straße weiter…

Dortmund Innenstadt. Berufsverkehr. Menschen mit Einkaufstüten. Geregelter Alltag! Zum Problem der geregelten Ungleichheiten besuchen Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Stadtgymnasium Dortmund mit ihrem Lehrer Jan Pfennig die BoDo Redaktion. Hier beschäftigen wir uns mit Menschen, für die Alltag etwas ganz anderes bedeutet.

Die unscheinbare Buchhandlung, über der die Redaktion der BoDo liegt, bemerkt zunächst niemand von uns. Beim Betreten fällt uns auf, wie viele – auch neuwertige – Bücher angeboten werden. Diese, so erfahren wir später, wurden alle gespendet. Auf einer schmalen Wendeltreppe geht es eine Etage höher. Dort treffen wir uns mit Bastian Pütter, dem Redaktionsleiter der BoDo in Dortmund. Er stellt sich unseren Fragen zum Thema “soziale Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten” und zur allgemeinen Situation Obdachloser in Dortmund.
Er erzählt uns, dass die Wohnungslosen die Institution aufsuchen und zunächst mit Essen und Trinken versorgt werden. Jeder erhält außerdem ein individuelles Beratungsgespräch. Besonders wichtig dabei: niemand wird dazu gedrängt, die Hilfe der Sozialarbeiter oder deren Ratschläge anzunehmen. Alles geschieht auf freiwilliger Basis. Außer bei den Jugendlichen, erklärt uns Herr Pütter lachend, die sofort an die “Profis” von nebenan weitergeleitet werden. Denn bei jungen Leuten zählt die Zeit, in der sie auf der Straße leben, mehr als bei Erwachsenen. Traurig fügt er noch hinzu, dass sich in letzter Zeit immer mehr jüngere Jugendliche an die Organisation wenden.
Wir wollen wissen, aus welchen sozialen Milieus die Obdachlosen stammen und ob Bildung dabei eine Rolle spielt. Herr Pütter nennt als Grund für Obdachlosigkeit viele gleichzeitig auftretende Probleme, wie zum Beispiel Depressionen, die Trennung vom Partner oder Suchtkrankheiten, aber auch fehlende soziale Netzwerke. Obdachlosigkeit ist das Symptom und nicht der Grund, weshalb Bildung hierbei keine Rolle spielt. Obwohl es staatliche Hilfen gibt, ist Obdachlosigkeit in unserer Gesellschaft nicht zu übersehen. Dies liegt daran, dass sich viele Leute nicht trauen, fremde Hilfe zu verlangen, da das Schamgefühl zu groß ist. Dagegen hilft besonders ein ausgeprägtes soziales Umfeld, welches zum Beispiel durch den Verkauf der BoDo verbessert werden kann. Nicht nur dieses Problem kann die Organisation lösen. Den Obdachlosen fehlt vor allem Geld. Durch die BoDo können sie dies verdienen und erhalten gleichzeitig ein höheres Selbstwertgefühl. Denn viele trauen sich selbst nichts mehr zu und freuen sich wieder mehr Kontakt mit anderen Menschen zu haben.
Zum Schluss wollen wir wissen, ob Ungerechtigkeiten wie Obdachlosigkeit durch absichtliches Handeln bestimmter Personen entstehen. Auch hierauf hat Herr Pütter eine klare Antwort: Ungerechtigkeit wird vor allem durch gesichts- und gestaltlose Täter gefördert, die nur ihre eigenen Vorteile und Profite im Blick haben. Als wir die Redaktion verlassen, haben wir ein tieferes Verständnis davon, wie die Organisation BoDo funktioniert und die Obdachlosen unterstützt. In Zukunft werden wir vielleicht zweimal überlegen, ob wir an einem BoDo-Verkäufer nur vorbeilaufen oder offen auf diesen zugehen.

Letitia Schmitz und Lara Peter, Stufe 12, StG Dortmund