11. Juni 2015 | Straßenmagazin |

Jene sozialen Desaster

Zuletzt sprach er im Mai auf der Internetmesse „re:publica“ über die Selbstauslieferung an die Überwachung in der vernetzten Welt. Das Pubikum – irritiert: Zygmunt Bauman ist 89 Jahre alt, polnischer Jude, britischer Professor, Pfeifenraucher und so etwas wie der Grandseigneur der Soziologie. Seine Arbeiten über die Haltlosigkeit des Individuums in der flüchtigen Moderne, über die Logik des Konsums als System, das überflüssige Menschen produziere, oder seine angefeindeten Thesen zu einer Soziologie nach Auschwitz haben ihn zu einem der meistdiskutierten und -dekorierten Gesellschaftsforscher gemacht.

Ja, und Bauman ist kein Sonnenschein. In seinem gerade bei Herder erschienenen Essay über die Ungleichverteilung in unserer Welt braucht er keine 120 Seiten, um die (neo)liberale Logik des Wachstums, das letztlich allen nutze, über die Klippe zu schieben. Wütend, klar und präzise legt er den Blick auf den Abgrund frei, um in einer dieser Bauman-Volten aus dem Gedanken an die sichere Katastrophe Zuversicht zu schöpfen: „Können wir ihn je entkräften? Das werden wir nur erfahren, wenn wir es versuchen: immer wieder und immer entschlossener.“

Zygmunt Bauman | Retten uns die Reichen?
ISBN 978-3-451-31565-7
Herder | 14 Euro