30. Oktober 2012 | Straßenmagazin | Soziales |

Netzwelt: ohnewohnung-wasnun.de

Soziales, Kultur, Politik – Jeden Monat stellt bodo ein Online-Projekt vor, das die Welt ein bisschen besser macht. Diesen Monat: www.ohnewohnung-wasnun.de

Unkomplizierte Hilfe für Menschen in sozialen Notlagen. Dieses Ziel verfolgt Helmut Richard Brox, selbst obdachlos, mit seiner Webseite www.ohnewohnung-wasnun.de. Über 850 Adressen von Einrichtungen der Wohnungslosen- und Suchthilfe hat er dort bisher gesammelt und stellt sie, zusammen mit einer kurzen Zusammenfassung der angebotenen Hilfen, Menschen in Notlagen zur Verfügung. In diesem Jahr wurde er mit seiner Arbeit für den Deutschen Engagement Preis nominiert.

Neben der umfangreichen Adresssammlung klärt die Internetseite viele Fragen zum Thema Obdachlosigkeit. Aus seiner jahrelangen Erfahrung innerhalb der Szene heraus schildert Helmut Brox in kurzen Texten, warum nicht alle Obdachlosen drogenabhängig sind, warum man manchen Leuten ihre Obdachlosigkeit ansieht und wieder anderen nicht und welche Rituale es auf der Straße gibt. So kommt auch der Leser, der nicht akut auf der Suche nach einer Hilfseinrichtung ist, auf seine Kosten.
Ins Leben gerufen hat Helmut Brox die Webseite 2007. Seit 25 Jahren ist er selbst ohne festen Wohnsitz. „Einen Großteil der Einrichtungen kenne ich deshalb selbst und bin dort aktenkundig“, erzählt er. Das erste Mal in Kontakt mit dem Internet kommt er 1999, als er sich in ein Berliner Internetcafé setzt, um sich dort aufzuwärmen. Dort lernt er Mitglieder des „Chaos Computer Club“ kennen, die ihm den Umgang mit Browser und Email beibringen.
Als er einige Jahre später selbst auf der Suche nach Hilfen im Internet ist, ist er unzufrieden mit den Informationen, die er findet. „Was ich fand, waren Internetseiten mit Fachdeutsch, Wortakrobatik für Rechtsverdreher, Schön-Wetter-Reden von Möchte-Gern-Profis und viele Internet-Seiten mit diversen Spendenaufrufen von Einrichtungen, die ich bis heute noch suche“, schreibt er. Frustriert beginnt er, 2007 selbst Adressen zu sammeln. „Es geht mir darum, dass jeder Mensch die Chance bekommt, zurück ins Leben zu finden. Das Wissen, das ich habe, will ich denen geben, die es nicht haben.“ Mittlerweile besuchen 150 Personen täglich seine Webseite, und er bekommt Emails von Leuten, die sich für seine Arbeit bedanken.