6. Oktober 2015 | Soziales | INSP

„Mein Name ist Mensch!“

Konferenz der Straßenkinder und der Flüchtlingskinder

Konferenz der Straßenkinder und der Flüchtlingskinder

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren versammelten sich Hunderte von Straßenkindern, Jugendliche, die vom Leben der Gemeinschaft entkoppelt sind und keine Zukunftsperspektiven haben.

Text: Andreas Düllick | Foto: Thomas Grabka

Sie sind es, die in den Inobhutnahmeeinrichtungen der Jugendhilfe immer schon mit Flüchtlingskindern zusammen leben. Deshalb hatte die „Ständige Vertretung, die Initiativgruppe der Konferenzen, die sich aus 30 Jugendlichen im Alter von 14 bis 33 Jahren aus ganz Deutschland zusammensetzt, auch über 60 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge eingeladen mitzuwirken.

Neben Gästen aus Vietnam nahmen Straßenkinder aus Berlin, Bochum, Dresden, Essen, Gera, Halle, Hamburg, Lübeck, München, Saarbrücken, Stuttgart, und weiteren Städten. Die Flüchtlingskinder kamen aus Albanien, Pakistan, Libanon, Afghanistan, Syrien, Eritrea, Tunesien, Marokko, Iran, und Tschetschenien.

Die Konferenz der Straßenkinder und der Flüchtlingskinder in Deutschland stand unter der Schirmherrschaft der Bundesjugendministerin Manuela Schwesig und des Präsidenten der Bundeszentrale für Politische Bildung, Thomas Krüger. Beide waren auch Gäste der Konferenz, sowie über 60 weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, der Wirtschaft, aus Kunst und Kultur.

Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Ansprache von Lucas, einem der Pressesprecher der Konferenz. Er berichtete darüber, dass die Straßen- und Flüchtlingskinder ihr eigenes ICH suchten. Es helfe zu wissen, dass man nicht allein ist. Aber: “Wie viele aber müssen wir noch werden, damit wir wahrgenommen werden?” Für 21.000 Minderjährige sei die Straße Lebensmittelpunkt. 7.000 bis 8.000 seien obdachlos. 30.000 kommen noch dazu, die zwischen achtzehn und siebenundzwanzig Jahre alt sind. Viele seien wohnungs- oder obdachlos, haltlos… Lucas kündigte an, dass die Ständige Vertretung der Straßenkinder in Deutschland die lebensrelevanten Themen für die Konferenz zusammengetragen habe. Diese sollten dem deutschen Grundgesetz, aber auch der Charta der Europäischen Union gegenübergestellt werden. “Wir fragen uns: Wenn aber doch die Würde des Menschen unantastbar ist, warum darf man Straßenkinder so oft respektlos und entwürdigend behandeln? …beim Jugendamt, in den Jobcentern, auf der Straße, in den Hilfeeinrichtungen?” Es sei Aufgabe der 2. Bundeskonferenz, die Ursachen dafür zu suchen und eigene Lösungen zu finden.

Schirmherrin Manuela Schwesig lobte in ihrer Rede das Engagement der Jugendlichen: “Ich finde es klasse, dass Ihr mit Eurer Konferenz auf die Situation und die Rechte von Flüchtlingskindern in Deutschland aufmerksam macht. Straßenkinder können gut verstehen, wie es Menschen geht, die ihre Heimat verloren haben und auf der Flucht sind. Aber es ist nicht selbstverständlich, sich gegenseitig zu unterstützen. Mit der Konferenz setzt Ihr ein starkes Zeichen. Ich danke Euch allen, für die große Solidarität und verspreche, dass ich Euch weiter unterstützen und auf Eure Probleme öffentlich aufmerksam machen werde.”

Gemeinsam wurden dann im “World-Café” 16 Schwerpunktthemen diskutiert, die sich mit Widersprüchen und Verstößen der Einhaltung der Charta der Grundrechte der Europäischen Union und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beschäftigen. Die Ergebnisse dieser Arbeit bilden die Grundlage für einen Ideen- und Forderungskatalog, der dem Bundesjugendministerium vorgelegt werden soll. Sie sollen dann praktische Anwendung finden in neuen Formen der Jugendhilfe mit einem hohen partizipativen Anspruch.

Die Konferenz der Straßenkinder und der Flüchtlingskinder in Deutschland 2015 war eine Veranstaltung des KARUNA Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not International.

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom INSP Nachrichtendienst www.INSP.ngo / Strassenfeger