25. September 2013 | Straßenmagazin |

Markus Veith: One Man Show

In der bodo-Kulturreihe „Zweiter Freitag“ hatte Markus Veiths „Eulenspiegels Enkel“ im März Premiere. Am 18. Oktober füllt der Schauspieler und Regisseur die Dortmunder Schauburg. Auf der Bühne: Nur er selbst, wenige Requisiten und ein Held, mit dem er durchaus das eine oder andere gemeinsam hat. bodo sprach mit dem Dortmunder über Durststrecken, Reimzwang und Fähnchen auf einer Landkarte.

Markus Veith hat Gärtner gelernt, arbeitete als Totengräber für die Stadt Dortmund und pflanzte Blumen im Westfalenpark. Doch eigentlich zog es ihn zur Literatur und auf die Bühne. Nach ersten Rollen an kleinen freien Bühnen dann der Sprung ins kalte Wasser. „Als ich mein erstes richtiges Engagement hatte, kündigte ich meinen Job. Eine sichere Anstellung im öffentlichen Dienst immerhin.“
Er spielte in kleinen Ensembles, machte Kindertheater und stellte seine ersten Bücher gleich ganz alleine her: eine Novelle, Kurzgeschichten, Lyrik, ein Theaterstück, gedruckt und gebunden in Handarbeit. Und einige Hundertmal verkauft.
„Ja, das waren schon harte Jahre“, sagt Veith. „Ich kenne das, mit fünf Pfennig in der Tasche tagelang durch die Stadt zu laufen. Und irgendwann mit über Dreißig geht Dir das schon an die Nieren.“
So lange die Durststrecke auch währte, eine Rückkehr in den gelernten Beruf kam nicht in Frage. Stattdessen wurde Veith zum Handlungsreisenden in Sachen Kultur und spielte auf jeder noch so kleinen Bühne. „Ich habe in meiner Küche eine Deutschlandkarte, auf der ich meine Auftrittsorte mit einem Fähnchen markiere. Die ist inzwischen ziemlich flächendeckend gefüllt“, schmunzelt er.

Als das Angebot kam, beim Fränkischen Theatersommer – einem Festival mit immerhin 72(!) Spielorten – erst zu spielen und dann zu inszenieren, griff Veith zu. Inzwischen verbringt er als Schauspieler, Autor und Regisseur vielbeschäftigt die Sommermonate in der Fränkischen Schweiz, an verwunschenen Spielorten wie dem „Garten der historischen Ochsenmühle“ in Klosterlangheim.

In Oberfranken erhielt Veith vor zwei Jahren auch den Auftrag, Wilhelm Busch auf die Bühne zu bringen und entschied sich für einen eigenen Zugang. Statt eines Rezitationsabends schlüpfte er selbst in die Rolle des großen Humoristen, schrieb und inszenierte ein Solostück, in dem der Dichter selbst spricht – durchweg in Versen im unverkennbaren Busch-Ton.
„Theater in Reimen ist nun wirklich ein ,totes Gebiet'“, sagt Veith. „Aber das hat mich gereizt. Wenn man Busch liest, haben diese Texte auch etwas Gegenwärtiges, Echtes, das wollte ich auf der Bühne probieren.“ Und es gelang „mit schönem Erfolg“, wie er sagt und dem Höhepunkt, an Buschs Geburtstag in dessen Geburtshaus in Wiedensahl vor Experten und Nachfahren des Dichters zu spielen und frenetisch gefeiert zu werden. „Das war magisch und wirklich so etwas wie ein Ritterschlag.“ Seit zwei Jahren tourt er nun als Wilhelm Busch durch die Republik.

„Der Eulenspiegel war dann die logische Konsequenz“, sagt Veith. „Ich habe in Mölln Kindertheater gespielt und blickte so über die Stadt mit ihren Parabolantennen, da war die Idee geboren. Was Busch sich ausdachte, hat Eulenspiegel getan.“
Auch Rasmus, „Eulenspiegels Enkel“ spricht in Reimen. Jedoch weil er muss. Als Opfer einer unerbittlichen bildungsbürgerlichen Lyrik-Erziehung hat er so etwas wie eine Zwangsstörung entwickelt. Rasmus nimmt die Außenseiterrolle an und wird ein moderner Eulenspiegel, der nach tiefem Sturz schließlich da landet, wo es zu befürchten war: Erst in Talkshows, dann in der Politik.
So furios und pointenreich das Stück ist, so böse und politisch aktuell ist es auch, wie einst das historische Vorbild. „Auch gutes Kabarett hält den Spiegel vor: ,Seht mal, was ihr da macht!'“, sagt Markus Veith. „Das Lachen, das im Halse steckenbleibt ist die wirkungsvollste Form von Humor.“

INFO
Am 18. Oktober ist Eulenspiegels Enkel in der Dortmunder Schauburg in der Brückstraße zu sehen.
bodo verlost 2×2 Karten
Die Buchfassung ist im Dortmunder OCM-Verlag erschienen und kostet 10 Euro.