25. September 2013 | Neues von bodo |

Konferenz: Recht auf Stadt

„Interventionen für ein Recht auf Stadt“ heißt die Aktionskonferenz, die am 28. September im Bochumer Bahnhof Langendreer stattfindet.
In der Reihe „Interventionen – Stadt für alle“ organisiert der Bahnhof Langendreer seit März gemeinsam mit verschiedenen Initiativen aus dem Ruhrgebiet eine ganze Reihe von Veranstaltungen.

Wir berichteten z.B. ausführlich über eine kontroversen Rundgang durchs Bermudadreieck mit Dr. Arnold Voss und Wolfgang Wendland und organisierten selbst mit dem Urbanisten e.V. eine hervorragend besuchte Nordstadt-Führung.
Bei der Konferenz hält bodo-Redaktionsleiter Bastian Pütter einen Workshop mit dem Titel „,Geht das hier noch?' – Öffentlicher Raum und das Recht auf Stadt“.
Gemeinsam diskutieren wir Privatisierung und Entmischung, Reglementierung und Überwachung, die unsere Städte neu strukturieren, und fragen nach Handlungsspielräumen und Feldern für Interventionen.

Recht auf Stadt – Was kann das im Ruhrgebiet bedeuten? In der Reihe „Interventionen – Stadt für alle“ thematisiert der Bahnhof Langendreer seit März gemeinsam mit verschiedenen Initiativen aus dem Ruhrgebiet die vielfältigen Praxen, die dies auf verschiedene Weise einfordern bzw. sich nehmen, gemeinsam ging und geht es auf Entdeckungstour und die Suche Interventionsstrategien. Bei der Konferenz kommen nun die Initiativen, Engagierten und Interessierten zusammen, um über verschiedene Themen zu diskutieren, die uns hier im Ruhrgebiet, hier in unseren Städten, bewegen.

Im Vordergrund steht dabei die Frage: Wo und wie intervenieren? Initiativen und Projekte stellen sich vor und es wird viel Raum für Austausch und Vernetzung geben. Themen werden u.a. sein: Armut, Schrumpfende Städte, Kämpfe um Freiräume, Solidarische Ökonomie, Stadtteilarbeit/Wunschproduktion, Urban Audio Gardening u.a.

Programmablauf
10.00 Uhr Auftakt: Worldcafé “Recht auf Stadt im Ruhrgebiet”
11.30 – 14.00 Uhr Workshop-Phase I (siehe unten)
14.00 – 15.00 Uhr Mittagessen
15.00 – 16.00 Uhr Initiativen stellen sich vor (u.a. mit: die urbanisten Dortmund, bodo – Straßenmagazin, Gemeinschaftsgarteninitiative Bochum, KiTeV Oberhausen und Invercity sowie Beiträge zu schrumpfende Städte, Migration + Stadt)
16.00 – 18.30 Uhr Workshop-Phase II (siehe unten)
19.00 – 20.30 Uhr Abschluss-Plenum (Die Workshops stellen ihre Ergebnisse vor / Wie gehts weiter?)
20.30 Uhr Ausklang mit gemeinsamen Essen (Abendessen im Kino-Café)

Die Teilnahme ist kostenlos, Mittag- und Abendessen jeweils gegen einen Kostenbeitrag
Anmeldung per Email an: info@interventionen.org

Die Workshops

11.30-14.00

Solidarische Ökonomie
Fundamental für das Zusammenleben in der Stadt ist das Produzieren, Handeltreiben und Konsumieren, also das Wirtschaften, d.h. die Ökonomie. Eine kritische, emanzipative Annäherung an die gegebenen ökonomischen Mechanismen einer Stadt ist fundamental kritische Ökonomie. Kritische Ansätze transzendieren das Bestehende und geben Hinweise darauf, wie Ökonomie jenseits von Egoismus, Konkurrenz und Verschwendung menschlicher und nachhaltiger funktionieren kann. Transformationen zu solidarischen Formen der Ökonomie entwickeln sich seit ein paar Jahrzehnten zunehmend weltweit.
Der Workshop ¨Solidarische Ökonomie¨ dokumentiert und bilanziert diese Transformationsansätze in unserer näheren städtischen Umgebung und entwickelt Impulse für eine Bündelung der bestehenden Kräfte durch Vernetzung.

Armut im Ruhrgebiet, Leerstände, Stadtbrachen, neoliberale Rationalisierung
Es entstehen immer mehr „Stadtlöcher“ durch neoliberale Rationalisierung und Sparprogramme. Für arme Menschen können „Stadtlöcher“ Hindernis und Gefährdungsareal sein oder auch Einladung und Chance zu unvorhergesehener,
unauffälliger Aneignung und Nutzung …

Wünsch dir was! Kollektive Wunschproduktion im Stadtteil
Die Kollektive Wunschproduktion ist ein Instrument für eine selbstbestimmte Stadtteilentwicklung, die in Hamburg St. Pauli entwickelt und erfolgreich angewandt wird. Bei der Wunschproduktion können alle Bewohner*innen frei ihre Wünsche und Bedürfnisse artikulieren. Aus diesen wird ein gemeinsames Konzept entwickelt, das möglichst viele Interessen berücksichtigt. Dabei geht es auch darum, neu zu bestimmen, was die Stadt ist und sich die Stadt bzw. den Stadtteil anzueignen.
Mit dem Hamburger Recht-auf-Stadt-Aktivisten Steffen Jörg (GWA St. Pauli)

Urban Audio Gardening
Urban Audio Gardening war ein partizipatives Soundscape-Projekt von Anwohner_innen der Alsenstraße Bochum. Wir stellen in diesem Workshop den Soundscape-Ansatz vor und entwickeln Thesen dazu, was uns urbane Soundscapes über das Zusammenleben in der Stadt erzählen.
Wir machen einen Soundwalk und lassen Klänge und Geräusche Revue passieren. Daraus entwickeln wir Ideen, wie Soundscape-Projekte Impulse zur Teilhabe an der Stadtentwicklung geben können.

16.00-18.30

Leerstand_nutzen
Die Stadt ist ein lebendiges Experiment. Im gleichen Augenblick lenken leerstehende Wohn- und Gewerbeimmobilien die Aufmerksamkeit auf das ungenutzte Potential in der
Region. Im Zentrum des Workshops steht die ideelle, rechtliche, praktische und politische Aspekte der Nutzung leerstehender öffentlicher und privater Gebäude und Flächen.

Schrumpfen zur neuen Stadt?
Das Ruhrgebiet schrumpft, in den zentralen Großstädten stärker als in den Randlagen. Die Gestaltung der Schrumpfung müsste die Vorstellungen von städtischer Entwicklung eigentlich grundlegend ändern: Eine geringere bauliche Dichte kann neue Freiräume, eine neue Baukultur und mehr sozial-kommunikative Räume in den Quartieren und den Innenstädten ermöglichen. Die politischen und ökonomischen Eliten orientieren sich aber weiter an traditionellen Wachstums- und Wettbewerbsvorstellungen.

„Geht das hier noch?“ – Öffentlicher Raum und das Recht auf Stadt
Der öffentliche Stadtraum ist ein Ort der Interaktion, des Mit- und Nebeneinanders derer, die gemeinsam die Stadt bilden. In der unternehmerischen Stadt wird dieser Raum prekär.
Privatisierung und Entmischung, Reglementierung und Überwachung strukturieren auch unsere Innenstädte neu. Für den französischen Soziologen Henri Lefebvre ist das Recht auf die Stadt vor allem eines auf „Nichtausschluss“. Seine zentralen Bestandteile sind das Recht auf „Zentralität“ und das auf „Differenz“.
Wir wollen fragen mit Blick auf das Ruhrgebiet, wo die Grenzen von Zugang und Teilhabe verlaufen, was Handlungsspielräume und Felder für Interventionen sind.