1. Oktober 2015 | Kommentar | bp

In eigener Sache

Immer noch ungläubig stehen wir vor dem Ausmaß der spontanen Hilfe für Geflüchtete in unseren Städten. Während sich in den letzten Monaten überall im Ruhrgebiet nachbarschaftliche Hilfenetzwerke um Flüchtlingseinrichtungen zusammenfanden und inzwischen Tausende Menschen von der Sachspendenverwertung bis zu Sprach- und Freizeitangeboten aktiv sind, zeigte die Zuspitzung der Flüchtlingssituation mit den aus Ungarn kommenden „Trains of Hope“ eine völlig neue Dimension.

Text: Bastian Pütter | Foto: Sebastian Sellhorst

Wer die Nächte am Dortmunder Hauptbahnhof oder im Dietrich-Keuning- Haus erlebt hat, wo Hunderte Menschen mitten in der Nacht Flüchtlinge mit Applaus begrüßten und unmittelbar tragfähige Hilfestrukturen schufen, hat seitdem einen anderen Blick auf dieses Land und unsere Städte.

Ähnliches gilt für kommunale Verwaltungen, denen wohl kaum jemand das Umschalten auf einen Krisenmodus zugetraut hätte. Natürlich, es läuft nicht reibungslos, dennoch verblüfft die Beweglichkeit der vermeintlich statischen Systeme. Wenn eine Stadt wie Dortmund innerhalb von Stunden Hunderten Menschen eine Schlafgelegenheit organisieren kann, ist das großartig. Wenn diese Kommune rund um die Uhr als Verteilstation für NRW fungiert, ist das beeindruckend. Gleiches gilt für die Unterbringung der Tausenden kommunal zugewiesenen Flüchtlinge.

Hier schließt sich unsere Hoffnung an. Wer solches leistet, für den ist die Versorgung und Unterbringung einer deutlich geringeren Zahl „hiesiger“ Wohnungsloser doch ein Kinderspiel. Genauso wie der schier überwältigende (Sach-) Spendeneinsatz der Bevölkerung für Flüchtlinge leicht die Wohnungslosen und die armen EU-Neuzuwanderer mitversorgen könnte, könnten dringend nötige Verbesserungen für Wohnungslose gleich miterledigt werden.

Leider ist bislang das Gegenteil der Fall. Die verschwindend geringen (Verwaltungs-) Ressourcen im Bereich Wohnungslosenhilfe werden teilweise gar abgezogen, kommunale Notwohnungen sind längst für die neue Gruppe reserviert. Dringend nötige Erweiterungen der Notschlafstellen werden auf die lange Bank geschoben. Der Mangel an günstigem Wohnraum wird im Winter zur schwierigsten Situation seit vielen Jahren führen.

Wir arbeiten jeden Tag daran, den Menschen, mit denen wir arbeiten, das Gefühl zu nehmen, sie würden erneut gegen eine neue Gruppe ausgespielt. Helft uns, diese Spaltung zu verhindern.

Uns ist egal, woher jemand kommt, der der Hilfe bedarf. Das Recht auf Wohnen, auf Teilhabe, auf ein schönes Leben ist unteilbar.