12. August 2014 |

Fluchtschiffe legen an

Konzerte am Donnerstag und Freitag

Konzerte am Donnerstag und Freitag

Wo andere Musiker Teile ihre Gage spenden, geht Heinz Ratz über Grenzen. Zurzeit ist der Musik-Aktivist auf Tour mit zwei zu Flüchtlingsbooten umgestalteten Flößen, an Bord eine Crew aus Flüchtlingen und UnterstützerInnen. Am Donnerstag spielt er in der Kulturkirche in Dortmund, am Freitag im Bahnhof Langendreer einen Mix aus Weltmusik-Grooves und dem Liedermacher-Jazz-Punk seiner Band „Strom&Wasser“.

Mit seinem Handeln wolle er einen Beitrag dazu leisten, dass sich gesellschaftliche Werte verändern, sagt Ratz, „nicht Gier und Besitz sollten den Menschen bestimmen, sondern soziales Denken“. Soziales Denken, fügt der Sohn einer peruanischen Indigina und eines deutschen Arztes noch hinzu, das sich im Idealfall am Wertegerüst indianischer Völker orientiert: „Angesehen ist dort, wer abgibt, nicht wer besitzt”.
Und Heinz gibt. Mitunter auch körperlich das Letzte: So erfand er 2008 den „Moralischen Triathlon“: Als erste Etappe wanderte er im Winter 960 Kilometer weit durch Deutschland, um mit diesem „Lauf gegen die Kälte“ bei den abendlichen Konzerten Geld für Obdachlose zu sammeln, insgesamt 18.000 Euro. Im Frühsommer 2009 schwamm er dann im Rahmen seines Flussprojekts 870 Kilometer zwischen Lindau am Bodensee und Kiel und wies so auf das Artensterben hin. Und schließlich sein 2011 begonnenes, 5500 Kilometer langes, auf dem Fahrrad absolviertes Flüchtlingsprojekt, mit dem er seinen ungewöhnlichen Triathlon komplettierte. Abends trat er mit seiner Band Strom & Wasser bei öffentlichen Konzerten auf, um die „erbärmlichen Bedingungen“ anzuklagen, unter denen die Menschen existieren. Schon damals haben Ratz und seine Musikerkollegen den Erlös dieser zusammen mit Pro Asyl organisierten „Tour der 1000 Brücken“ (knapp 17.000 Euro) vor Ort der jeweiligen Flüchtlingsarbeit überlassen. Aus Sicht der Musiker nicht weniger bedeutend: Bei den Begegnungen in den Lagern haben sie Flüchtlinge kennen gelernt, die selbst hervorragende Musiker sind.

Inzwischen war daraus eine eigene Gruppe „The Refugees“ entstanden, die Ratz in den darauffolgenden Monaten trotz ihrer Reise- und Arbeitsverbote auf seiner Tournee begleitete. Acht bis zehn aus Afrika, Osteuropa, Afghanistan und Griechenland stammende Frauen und Männer mit einer „modernen musikalischen Mischung aus Reggae, Ska und Balkanbeat”, so Ratz.
Seit Mitte Juli ist er nun wieder unterwegs. Mit zwei großen Flößen, umgestaltet zu Flüchtlingsbooten, von Nürnberg aus main-, neckar-, und rheinabwärts und dann entlang des Mittellandkanals bis nach Berlin.
Die Verletzlichkeit dieses Transportmittels im Kontrast zu den Luxusjachten und Ausflugsdampfern der touristisch genutzten Binnengewässer soll auf die dramatische Situation von Flüchtlingen und besonders von Flüchtlingsfrauen aufmerksam machen. Ein anderer Schwerpunkt liegt natürlich auf den allabendlichen Konzerten. In der BO-DO-Region legen die beiden Flöße am 15. August in Dortmund und am 16. August in Bochum an. Nach einem nachmittäglichen Rahmenprogramm (vor allem für Kinder) und dem Besuch etlicher Flüchtlingsunterkünfte im Revier, wird abends Musik gemacht, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Donnerstag, 14.8., Pauluskirche Dortmund, Schützenstr. 35, Einlass 19 Uhr

Freitag, 15.8., Bahnhof Langendreer, Bochum, 19.30 Uhr