3. April 2014 | Straßenmagazin |

Neue Runde am Ostwall

Noch steht das alte Ostwallmuseum. Die Abstimmung über den Verkauf ist auf Vorschlag von OB Ullrich Sierau auf die Ratssitzung im Mai vertagt. Hintergrund ist, dass es ein neues Nutzungskonzept geben soll. Der Förderverein für das Baukunstarchiv NRW hat sich bereit erklärt, die Trägerschaft für das von ihm geplante „Haus der Baukunst“ zu übernehmen, es gibt ein Finanzierungskonzept und das Gutachten eines Wirtschaftsprüfers. Für die Bürgerinitiative „Rettet das ehemalige Museum am Ostwall“ Grund für „vorsichtigen Optimismus“. Sie setzen jetzt alles daran, die Vorstände der Architekten- und Bauingenieurkammern davon zu überzeugen, dass ein Baukunstarchiv in Dortmund eine sehr gute Wahl sei. Denn Landesbauminister Groschek macht die Förderung eines Baukunstarchives NRW unter anderem davon abhängig, dass die Kammern das Vorhaben zumindest tolerieren.

Unser Text aus der Aprilausgabe des Straßenmagazins:

“Am 10. April soll im Rat in nichtöffentlicher Sitzung die Entscheidung über den Verkauf des ehemaligen Museums am Ostwall fallen. Der einzige verbliebene Bieter plant den Abriss des Gebäudes. Doch das letzte Wort ist vielleicht doch noch nicht gesprochen.

8.000 Unterschriften übergab die Bürgerinitiative „Rettet das ehemalige Museum am Ostwall“ (Foto) am 19. März im Tremonia-Saal des Rathauses an Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Unterzeichner des Aufrufs sind neben vielen Dortmunder Prominenten auch international renommierte Architekten. Gleichzeitig wurde eine Petition an den Landtag gerichtet.

Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als hätte die Stadt Erfolg mit ihrem Plan, das alte Museum zu einem „Haus der Baukunst“ mit Baukunstarchiv zu machen. Die Pläne scheiterten, weil die Architekten- und Ingenieurskammer vor den jährlichen Betriebskosten von 300.000 Euro zurückschreckte. Auch hier gibt es Fragen: Für die Bürgerinitiative erscheint diese Berechnung um ein Vielfaches zu hoch angesetzt.

Das Scheitern der Verhandlungen setzte den Ratsbeschluss wieder in Kraft, der bereits vor drei Jahren auf Antrag der CDU gefasst wurde. Dieser lautet: „Die Verwaltung wird beauftragt, das Gebäude des ehemaligen Museums am Ostwall inklusive des dazugehörigen Grundstücks schnellstmöglich zu marktüblichen Konditionen zu veräußern. Jeglichen Überlegungen, das exponierte Gebäude interessierten Dritten kostenlos oder lediglich durch Übernahme der Betriebskosten dauerhaft zur Verfügung zu stellen, erteilt der Rat eine Absage.“

Der Plan, einen neuen Nutzer für die prestigeträchtige Immobilie zu finden und gleichzeitig das Filet-Grundstück am Wall zu versilbern, steckt nun in der Sackgasse. Der einzig verbliebene Investor „Kolfhaus + Beele“ aus Melle bietet 1,9 Millionen Euro für das Grundstück in bester Citylage – und will den Abriss. An Stelle des Museums soll ein fünfstöckiger Neubau mit 55 exklusiven Seniorenwohnungen entstehen. Die baulichen Vorgaben sehen den Erhalt des Museumsparks vor, erlauben aber den Abriss des traditionsreichen Gebäudes.

Während in allen Fraktionen – zwischen Entschlossenheit und Krokodilstränen – ein Erhalt des Gebäudes favorisieret wird, hat sich der Rat wieder einem Investor ausgeliefert und sich ohne Not unter Zeitdruck gesetzt. Ein selbstgemachtes Dilemma.

Am 10. April wird nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit entweder der Abriss des ältesten Innenstadtgebäudes, das keine Kirche ist, besiegelt oder es wird ein Aufschub erwirkt, um ein neues Konzept und einen neuen Betreiber zu finden. Die Grünen jedenfalls haben angekündigt, einen Antrag auf Aussetzung des Verkaufsbeschlusses zu stellen. Alle Fraktionen haben das Recht, zusätzlichen Beratungsbedarf anzumelden und damit die Entscheidung aufzuschieben.

Der Text erscheint in der Aprilausgabe des Straßenmagazins bodo.
bodo wird in Bochum, Dortmund und Umgebung von Menschen in schwierigen sozialen Lagen auf der Straße verkauft. Das Magazin kostet 2,50 Euro, die Hälfte des Verkaufspreises bleibt beim Verkäufer.