5. Mai 2014 | Kommentar |

„Durch den Dreck gestiefelt“

Nun, ein bisschen Jeanne d’Arc ist drin. So wie die französische Nationalheldin sich kämpferisch ins Getümmel stürzte, in glänzender Rüstung ein Heer anführend gegen den englischen Feind, so zog CDUs OB-Kandidatin Dr. Annette Littmann in FDPgelber Sicherheitsweste und einem Tross CDU-Anhängern in den Kampf für ein besseres Ranking der Stadt Dortmund. Allerdings mit offensichtlichen Orientierungsproblemen bei den Sondierungsausflügen. Dafür bekam sie jetzt auch was auf den Helm – seitens lokaler Einsatztruppen anderer Couleur.

Kriegsschauplatz: Nordstadt. Die Kriegsberichterstattung fand im 15. Jahrhundert wahrscheinlich eher mündlich durch berittene Kuriere statt. In diesem Fall dokumentierten die Ruhr-Nachrichten hautnah den Einsatz und nannten schonungslos die harten Fakten: Annette Littmann ist „durch den Dreck gestiefelt“, was für die Berichterstatter gleichbedeutend ist mit „einer Wanderung in der Nordstadt“. Feindesland. Während Jeanne d’Arc um die genaue Ursache der nationalen Schieflage wusste und zielgerichtet gegen die Engländer vorging, hat Annette d’Littmann eher Orientierungsschwierigkeiten – was Feind und Kampfgebiet angeht. Das bestand nach Kurierdienst aus einem Hinterhof, für den CDU-Krisenstab ein Mikrokosmos der Nordstadt, auch wenn ihre Anführerin „tolle Ecken“ gesehen haben will. Wie man auch diesen Hinterhof der Stadt wieder in ein ansehnliches Ganzes eingliedert, sozusagen das Haus Burgund mit dem Orléans‘ vereint, dafür hatte Mme. Littmann schon eine ganz klare Vorstellung, auch wenn die vernebelt 'rüberkam: Die Probleme würden verstärkt „durch Landeseinrichtungen wie die Erstaufnahmestelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“. An der Stelle soll der Feind, die bösen Kinder, schon mal in Grenzen verwiesen werden, dadurch, dass „der aktuelle Standort der Einrichtung in Dortmund nicht verlängert wird“.

Nun gibt es keine Erstaufnahmestelle für Jugendliche und Kinder in der Nordstadt, sondern Heimplätze und Clearingstellen – und die befinden sich in Eving und Innenstadt-Ost, beides laut Kartenmaterial weit außerhalb des Krisengebietes. Und die benannte Erstaufnahmestelle ist für alle anderen Flüchtlinge und liegt viele Meilen weiter im beschaulich pastoralen Süden der Stadt. Für derlei Orientierungslosigkeit erntet die OB-Kandidatin Spott und Häme der anderen lokalen Einheiten: Ahnungslosigkeit oder fahrlässige Stimmungsmache werfen ihr die Grünen vor, mindestens eine „falsche Darstellung“ die Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Dortmund.

Mit derlei Fachwissen ausgestattet wäre Jeanne d’Arc im günstigsten Fall stark belächelt worden und hätte kaum das von den Engländern eingekesselte Orléans befreit. Dafür steht sie jetzt auf einem Sockel. Dr. Annette Littmann möchte auch auf einen. Dazu braucht es mehr als glänzenden Harnisch und drastische Parolen: Für einen Siegeszug braucht es Glaubwürdigkeit und die bekommen auch Helden nur mit inhaltlich gefestigtem Rüstzeug.