25. September 2013 | Kommentar |

Drei von Tausend

Foto: Andreas Düllick

Unmittelbar von dem Erscheinen unseres letzten Heftes schaffte es Dortmund wieder auf den Spitzenplatz einer Tabelle. Wenn wir vom Fußball absehen, ist das meist keine gute Nachricht: Entweder sind es selbstgebastelte Superlative (Sie wissen schon: das größte Fichtengesteck) oder es hat was mit Armut so tun. Diesmal hatte das Statistische Bundesamt errechnet, dass Dortmund unter den 15 größten deutschen Städten die mit dem höchsten Armutsrisiko sei.

Mehr als jeder vierte Einwohner sei von Armut bedroht.
Schon klar, Statistik. Reflexhaft wird an dieser Stelle über Methoden gestritten, über das Konstrukt „relative Armut“ und pflichtschuldig wies der Oberbürgermeister das Ganze als „nur eingeschränkt aussagekräftig“ zurück.
Den hatte natürlich die dpa angerufen, und weil in einer guten Agenturmeldung mehrere „Stimmen“ gehören, freundlicherweise auch mich. Also erzählte ich von unseren Erfahrungen – gar nicht nur von unseren Leuten auf der Straße oder den vielen Menschen, die oft seit 2005 in „Hartz IV“ geparkt sind und verzweifelt zu uns kommen, weil das Sanktionssystem der Jobcenter ihnen aus Erziehungs- oder Kostengründen das Existenzminimum verweigert.
Nein, ich sprach von gut Ausgebildeten, die uns bitten, ob es für ihre Patchwork-Arbeitsexistenz bei uns nicht einen kleinen Teilzeitjob gebe – auf der Flucht vor dem Abstellgleis Hartz IV. Ich beschrieb „die ständige Angst, da reinzugeraten und nie mehr rauszukommen“. (Ja, ich sollte mir angewöhnen, in Interviews Schriftdeutsch zu sprechen.)
Natürlich, das sind subjektive Erfahrungen, Wirklichkeitsausschnitte, aber die Alternative sind eben Statistiken. Eine schöne der hier unverdächtigen Bundesagentur für Arbeit gefällig? 0,3 Prozent der „Hartz IV“-Empfänger ohne Job finden monatlich eine Arbeit, die ihre Hilfebedürftigkeit beendet. Drei von Tausend. Und nicht zwingend auf Dauer: Ein Viertel derer, die letztes Jahr ihren Leistungsbezug beendeten, sind 2013 wieder „Kunden“ der Jobcenter.
Wie gesagt: „Die ständige Angst, da reinzugeraten und nie mehr rauszukommen“.