13. Januar 2014 | Kommentar |

Kommentar: Der Nazi und die Uni

Foto: Maren Wenzel

Anfang Dezember betreten als Weihnachtsmänner verkleidete Antifa-AktivistInnen einen Hörsaal der Ruhruni Bochum und outen den im Raum sitzenden Dortmunder Nazi Michael Brück, der seit Oktober an der Ruhruni Jura studiert.

Nicht, dass man Brück outen müsste. Er ist als stellvertretender Vorsitzender der NRW-Nazis der Partei „die Rechte“ eine öffentliche Person und als ehemaliger Kader des verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“ und Betreiber des Online-Versands „antisem.it“ (!) eine Szenegröße.
Man kann über den Nutzen solcher Aktionen streiten. Doch dass Studierende sich Hochschulräume kurzfristig aneignen, um Öffentlichkeit herzustellen, ist spätestens seit '68 ein alter Hut, und wahrscheinlich wäre der Spuk schnell vorbei und das Plenum schlauer gewesen als zuvor, ja, wenn…

Jedenfalls entstehen „Tumulte“, wie die WAZ es nennt, dann sogenannte Pressearbeit der Uni und schließlich eine Art Lokaljournalismus. Alles eine einzige Katastrophe.
Das Rektorat springt dem vermeintlich angegriffenen Professor bei und lobt sein „vorbildliches staatsbürgerliches Verhalten“. Und es verteidigt den Nazi gegen „Mutmaßungen“ und fordert den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte.

In der Bochumer Lokalpresse liest sich die Aktion folgerichtig wie ein brutaler Überfall: Die WAZ berichtet von maskierten „Linksautonomen“, die den Hörsaal „stürmten“ und den Professor verletzten. Die Ruhr Nachrichten schlagen in die gleiche Kerbe, ein von allen guten Geistern verlassener WAZ-Redakteur setzt die Aktion mit dem Denunzieren jüdischer Professoren durch die SA gleich.

Die relevante journalistische Arbeit – Recherche, Dokumentation, Analyse – geschieht anderswo. Bei den Ruhrbaronen und auf bo-alternativ etwa oder in der „akduell“, der Duisburg-Essener Unizeitung. Schnell tauchen Videos auf, die nahelegen, dass da ein handgreiflich werdender Professor auf die Störer losgeht. Peinlich. Die Einordnung Brücks als gefährlicher Neonazi ist ferner keine „Mutmaßung“, sondern kommt aus dem Innenministerium. Als Kandidat einer (noch) nicht verbotenen Partei ist Brück eine Person öffentlichen Lebens.

Am Ende haben sich Lokalpresse und Uni blamiert, letztere bemüht sich um Versachlichung. Um am ramponierten Ruf zu arbeiten, werden Rektorat und AStA eine Kampagne gegen „Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung von Gruppen“ und gegen die Neonazis in den eigenen Reihen starten. Ob es die auch ohne die Weihnachtsmänner im Hörsaal geben würde?