2. Juli 2013 | Kommentar |

Kommentar: Der Müll, die Stadt, die Asche und das Gold

Foto: Carsten Grunwald / pixelio.de

In diesem Monat als „interner Gastbeitrag“. Oscar Borkowsky, Mitarbeiter in unserem Buchprojekt und selbst Autor, kommentiert ein, wie inzwischen bekannt wurde, auch in Bochum und Dortmund übliches Vorgehen: Die stillschweigende „Inwertsetzung“ des Zahngoldes Verstorbener in den städtischen Krematorien. Laut Bestatterverband widerspricht diese Praxis allen nationalen und internationalen Standards.

Wie an einem halbwegs schönen Freitag im bereits vergangenen, übrigens ansonsten wenig wonnigen Monat Mai vermeldet wurde, erwirtschaftet (oder sollte man besser sagen: erbeutet?) die Stadt Essen jährlich das erkleckliche Sümmlein von etwa 100.000 Euro, indem sie das Zahngold von der Asche Verstorbener, welche bei der Verbrennung der Leichen in kommunalen Krematorien anfällt, auf technischem Wege trennt und dann wieder verwertet, das heißt: dem Stadtsäckel zugutekommen lässt.
Nun ist es aber dummerweise so, dass die deutsche Geschichte, wahrlich nicht arm an Monströsem, auch hier eine heikle, da wahrlich unappetitliche Parallele aufweist, welche wohl auf ewig – den Relativierern zum Trotz – mit dem Namen Oswiecim (polnisch für Auschwitz) verbunden bleibt. Komme jetzt niemand auf die aberwitzige Idee, dass noch irgendwo in den diversen Verwaltungen hartgesottene, ehemalige SS-Chargen an den Schreibtischen sitzen; gleichwohl sind diese geblieben, wenn auch jene längst in Rente gegangen sind respektive zur Hölle gefahren sein dürften.
Soll heißen: In einer verwalteten Welt, deren materialistische Mentalität immer weiter Raum greift, darf es nicht verwundern, dass noch die Toten ihren Beitrag für die Verschuldung der Lebenden leisten müssen: Friede daher ihrer vom Edelmetall gereinigten Asche. In vorliegendem Falle ein sarkastischer Vorschlag zur Güte: Man benenne das städtische Gemeinwesen, in dem dies geschieht, inskünftig: FRESSEN. Schließlich kommt bekanntlich erst dieses und dann – die Moral.