21. November 2013 | Kommentar |

Der Druck steigt?

Foto: psicologiaclinica/ flickr.com/ CC BY 2.0

Schreiben sie so dahin, die KollegInnen von WAZ bis Welt. Der Druck steigt. Sobald es um Flucht und Vertreibung geht, wird die Sprache blumig und Dinge handeln, nicht Menschen. Bislang saßen wir ja meist im Boot, das war gern voll. Aber seit die Ertrinkenden im Mittelmeer zumindest streckenweise mediale Aufmerksamkeit bekommen, sitzt Afrika im Boot und wir im Kessel. Unter Druck.

Aber was heißt das eigentlich? Nach Deutschland kommen wieder mehr Flüchtlinge. Inzwischen so viele wie 2003, bei weitem nicht so viele wie in den 15 Jahren davor.
Allein aus Afghanistan, Somalia, Irak und Syrien sind weit über sechs Millionen Menschen geflohen. Kriegsflüchtlinge aus Ländern in denen die Internationale Gemeinschaft, mit oder ohne Beteiligung der Bundeswehr, kläglich versagt hat, das Leiden einzudämmen. Sie kommen unter in den ärmsten Ländern der Welt. Mehr als eine halbe Million in Kenia, eineinhalb Millionen in Pakistan. Einige schaffen es nach Europa.
Und hier steigt der Druck? Deutschland hat Flüchtlingsunterkünfte geschlossen, personelle Ressourcen abgebaut und polemisiert nun in Gestalt seiner „Innenexperten“ gegen Wirtschaftsflüchtlinge, Schleuser und EU-Partner. Leichtes Spiel, denn seit Deutschlands Asyltrick vor zwanzig Jahren ist es umgeben von einem Schutzwall vermeintlich sicherer „Drittstaaten“. Wer nicht in Frankfurt landet oder mit dem Fallschirm abspringt, hat fast keine Chance, hier zu bleiben.
Unbeeindruckt davon wird der Notstand inszeniert und in Internetkommentaren kommt der Deutsche zu sich selbst: Hundertfach werden auf den Internetportalen und Facebook-Seiten von N24, RTL oder Stern die Toten von Lampedusa verhöhnt („ein paar hundert Schmarotzer, die uns nichts mehr kosten“) und die Brandreden der Innenminister in Umgangssprache übersetzt („Raus aus unserem Land mit dem Abschaum“).
Der Druck steigt. Aber vielleicht ist, was hier aus den Fugen gerät, die deutsche Zivilgesellschaft und der Druck kommt von innen.