18. September 2012 | Neues von bodo | Soziales |

Dalai-Lama-Interview lässt Verkaufszahlen weltweit steigen

bodo und die Straßenzeitungen: Erfolgreiche Kooperation
In seiner August-Ausgabe druckte das Straßenmagazin bodo ein Interview mit dem Dalai Lama, geführt vom Internationalen Netzwerk der Straßenzeitungen (INSP). 72 Publikationen aus 27 Ländern brachten das Exklusiv-Interview und das zugehörige Foto-Shooting. Dank dieses Artikels waren Straßenzeitungen aus aller Welt ausverkauft.

Insgesamt haben 10.000 Straßenzeitungsverkäufer eine Million Exemplare der jeweiligen Dalai-Lama-Ausgaben verkauft. Ehrenamtliche des in Glasgow ansässigen INSP (International Network of Street Papers) übersetzten den Artikel in 13 Sprachen, darunter Portugiesisch, Slowakisch und Japanisch. Dank des Interviews konnten Straßenzeitungsverkäufer aus der ganzen Welt neue Leser gewinnen. Die Auflage von bodo stieg im August um 2.000 auf 16.000.
Im Interview wendete sich der Dalai Lama direkt an die Verkäufer der Zeitungen und Magazine. Er gab ihnen Ratschläge, wie sie mit der Einsamkeit, einem Gefühl, das viele obdachlose Straßenzeitungsverkäufer teilen, umgehen können. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung unabhängiger Medien in der heutigen Gesellschaft.
Die meist wohnungslosen Verkäufer von Straßenmagazinen erwerben die Zeitungen für die Hälfte des Verkaufspreises und verkaufen Sie auf der Straße, um aktiv zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen. Ein attraktives Titelbild hat so direkten Einfluss auf ihr Einkommen. Der Dalai Lama war sich dessen bewusst und posierte für ein Titelfoto, auf dem er eine Auswahl verschiedener Straßenzeitungen hochhält. Dieses tolle Bild erschien auf Titelseiten in Hunderten von Städten von den USA bis in die Ukraine.
bodo-Verkäufer Horst aus Dortmund: „Ich finde es klasse, dass wir solche Prominenten wie den Dalai Lama im Heft haben. Mit noch keinem Titelbild war es so leicht, mit den Menschen, die vorbeigehen in Kontakt zu kommen.“
Bastian Pütter, Redaktionsleiter bei bodo: „Die enge Kooperation unter den Straßenzeitungen weltweit eröffnet uns Möglichkeiten, die wir als einzelnes Magazin nicht hätten. Neben der fachlichen Zusammenarbeit ist ist vor allem der Austausch hochwertiger journalistischer Texte ein großer Gewinn. Im Dezemberheft werden wir ein exklusives Interview mit dem brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho drucken sowie einen vom ihm zur Verfügung gestellten Prosatext – natürlich eine Weihnachtsgeschichte.“
Danielle Batist, Redakteurin beim INSP: „Berühmtheiten, die uns Interviews geben, wissen, dass es hier um mehr geht als um die Aufmerksamkeit von Millionen Lesern auf der ganzen Welt. Ihr Foto auf unseren Straßenzeitungen hilft Obdachlosen direkt dabei, zusätzliches Einkommen zu erzielen. Der Dalai Lama und andere Persönlichkeiten wie Prinz William und Bob Dylan haben das erkannt. Wir sind sehr dankbar für ihre Unterstützung.“

bodo:
Journalistinnen und Journalisten aus der Region erstellen ein 40-seitiges monatliches Magazin mit den Schwerpunkten Lokales, Soziales, Kultur. bodo kostet 1,80 Euro, 90 Cent behält der Verkäufer.
Seit dem ersten Heft im Februar 1995 war bodo für viele hundert Frauen und Männer in schwierigen sozialen Lagen ein Neuanfang, der Anstoß, ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Der Verkauf des Straßenmagazins bedeutet dabei mehr als einen kleinen Zuverdienst: Über den Verkauf erarbeiten sich die Verkäufer Tagesstruktur und soziale Kontakte. Vor allem aber ist es neues Selbstbewusstsein, das die nächsten Schritte ermöglicht. Eine Aufgabe zu haben und gebraucht zu werden, ist nach Erfahrungen des Scheiterns, der Isolation und Einsamkeit ein Motor für erstaunliche Fortschritte.
Zur Zeit sind es rund 100 Frauen und Männer, die das Straßenmagazins anbieten, für sie bieten wir Beratung und Einzelfallhilfen, unterstützen sie dabei in Wohnraum zu kommen und ihn einzurichten und helfen beim Umgang mit Ämtern und Behörden.

INSP:
Der INSP (Internationales Netzwerk der Straßenzeitungen – International Network of Street Papers) unterstützt und entwickelt 122 Straßenzeitungs-Projekte in 40 Ländern. Seit seiner Gründung 1994 konnten mehr als 200.000 Obdachlose und sozial Benachteiligte ihr Leben durch den Verkauf von Straßenzeitungen verbessern. Die Mitgliederzeitungen von INSP sind außerdem eine wichtige Quelle für unabhängige Berichterstattung und erreichen pro Ausgabe über sechs Millionen Leser.

Straßenzeitungen:
Straßenzeitungen helfen, Obdachlosigkeit und Armut zu bekämpfen. Die Verkäufer bekommen ihre Straßenzeitungen für die Hälfte des auf dem Titel angegebenen Preises. Der Verkauf verschafft ihnen ein Einkommen. Straßenzeitungen bieten so Obdachlosen und Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, die Chance, selbständig zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen. Gleichzeitig sind sie unabhängige Medien von hoher Qualität, die die gängige Wahrnehmung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit in Städten auf der ganzen Welt herausfordern.