5. April 2013 | Straßenmagazin |

Café Treibsand | Bochum

Nach 31 Jahren ist die Bochumer Café-Institution Treibsand von der Castroper Straße in den Bunker am Springerplatz gezogen. Ehrensache für bodo, hierüber zu berichten: Schließlich ist das Treibsand dort so etwas wie unser Nachmieter. Vor der Sanierung war hier unsere Ausgabestelle in Bochum und unser „Bunkerbasar”. Davor war die städtische Übernachtungsstelle für Wohnungslose hier beheimatet. Doch das ist lange her.

Nun wird der Bunker grundsaniert, umfunktioniert zu einem Zentrum mondänen Stadtlebens mit Kreativwirtschaft, Eigentums-Lofts mit Panorama im Obergeschoss, in Laufweite sowohl zum Bermudadreieck, als auch zum neuen Szeneviertel Ehrenfeld und somit Teil der Kulturachse Bochums – und alles inmitten trister Nachkriegsbauten mit typisch kahler Ruhrgebietsoptik. Die Weichen sind also auf Neubeginn gestellt, nicht nur für das Viertel, auch für das Café Treibsand und Besitzer Peter Schulze. Der nutzte die Gunst der Stunde, mit seinem Café einen zentraleren, größeren und günstigeren Standort zu beziehen, um seine Idee eines klassischen städtischen Cafés umso besser umsetzen zu können. Sein Konzept: „Für ein breites Publikum“, „Nicht von der Stange“ und „Urlaub vom Leben“. Die Umsetzung: Eindeutig gelungen!
Das Café besitzt einen einmaligen Charakter, der den Umbruch des Viertels auf sehr charmante Weise einfängt und auf den Punkt bringt: Obwohl im Untergeschoss eines Bunkers gelegen, ist das Café durch viele und große Fenster sehr licht. Die Bestuhlung ist teilweise selbst gebaut und bequem. Zur Wahl stehen lederbezogene Bänke, tiefliegende Sessel mit nicht aufgesetzt wirkender Retrooptik oder ausgediente, mit Polstern versehene Indusriekabelrollen.
An den Wänden: Wenige, aber wirkungsvoll verteilte Blickfänger zwischen Kunst auf Leinwand und stilisierter Holzpalette. Die Wände selbst: Ebenfalls spartanisch, z.T. untapeziert, an einigen Stellen mit Löchern im Putz, trotzdem hell und freundlich. Einen weiteren Hingucker bietet die Bar, die, genau wie die Wände, einfachem Beton nachempfunden, allerdings mit schickem, polierten Mahagoni gedeckt ist.
Auch hinter dieser Bar geht es mit den Neuerungen weiter: Dank größerer Küche werden im Café Treibsand neben Frühstück und Snacks jetzt auch Salate, Suppen und weitere Mahlzeiten wie Flammkuchen, Mozzarellaburger, Feta mit Oliven und Fladenbrot etc. serviert. Der italienische Espresso kommt aus einem Halbautomaten und wird mit handgeschäumter Milch zum Cappuccino oder Latte Macchiato. Es gibt eine umfangreiche und gut sortierte Weinkarte, ein großes Sortiment an alkoholischen und nicht-alkoholischen Erfrischungen und inzwischen auch selbstgemachte Fruchtsäfte und Eisshakes.
Fazit: Das Café Treibsand ist eine Anlaufstelle für diejenigen unter den Lesern, die von innerstädtischen Massenabfertigungsanlagen in der Gastronomie die Nase voll haben. Inmitten schäbigschönem Ruhrpott-Flair, im lichten Parterre eines Betonbunkers, ist das Café Treibsand ein wirkliches Unikat und wird so dem Anspruch Peter Schulzes, nicht „von der Stange“ zu sein, absolut gerecht. In jedem Winkel des Cafés merkt man, dass es mit liebevoller und detailverliebter Hand eingerichtet und geführt wird. Entspannte Musik, entspanntes Ambiente leicht abseits des großen Trubels der Innenstadt und vor allem gute und bezahlbare Speisen und Getränke machen es zu einem Muss für alle Liebhaber der Cafékultur.

Café Treibsand Metzstraße 23 44793 Bochum
0234 593410
http://www.cafetreibsand.de/
info@cafetreibsand.de
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 22 Uhr, Montags und dienstags geschlossen.