5. April 2013 | Straßenmagazin | Soziales |

Café Berta | Dortmund

Am 2. Februar eröffnete in Dortmunds Nordstadt ein Café der besonderen Art. Das Café Berta, wobei „Berta“ für Beratung und Tagesaufenthalt steht, lädt seine Gäste ein, ihre Getränke selbst mitzubringen. So wird versucht, sowohl für die Alkoholiker-Szene der Dortmunder Nordstadt ein niederschwelliges Hilfsangebot zu schaffen, als auch, eine Begegnungsstätte für Menschen aus unterschiedlichen Milieus zu etablieren.

Das Café Berta hat, wenn auch erst seit einem Monat geöffnet, schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Im letzten Jahr war das Café Berta – damals hieß es in der Lokalpresse noch „Saufraum“, später „Trinkraum“ – ein heiß diskutiertes Thema. Das von Ordnungsdezernent Wilhelm Steitz initiierte und von einer Mehrheit aus Grünen, CDU, FDP/Bürgerliste und Linke beschlossene Projekt stieß auf erhebliche Gegenwehr der SPD.
Mittlerweile hat das Café Berta einen Monat geöffnet und der mediale Rummel hat sich etwas gelegt. Zu Lärmbelästigung oder anderen Problemen, wie im Vorfeld der Eröffnung von Anwohnern und Kritikern befürchtet, sei es laut Einrichtungsleiter Thomas Thanscheidt bisher nicht gekommen. Die Debatte im Vorfeld der Eröffnung sieht er gelassen: „Ich bin hier, um meine Arbeit und nicht um Politik zu machen“, kommentiert er die hitzigen Diskussionen der Wochen und Monate vor der Eröffnung.
Über mangelnden Zulauf kann sich das „Berta“ nicht beklagen. In den ersten 2 Wochen fanden bereits 390 Gäste ihren Weg in das Café in der Heroldstraße. Davon waren ca. 15 Prozent Frauen. Doch für diesen Zulauf wird auch einiges getan. Dreimal täglich machen die Bürgerarbeiter, von denen im Café Berta fünf beschäftigt sind, einen Rundgang durch die Nordstadt und versuchen, Personen, die im öffentlichen Raum Alkohol trinken, für ihr Angebot zu begeistern. Einmal täglich begleitet sie Sozialarbeiterin Viktoria Kuhl, die sonst in der Einrichtung für Beratungsgespräche zur Verfügung steht.
Dieses Beratungsangebot nutzten bisher bereits acht Personen. Neben der Beratung durch die Sozialarbeiterin gibt es einmal in der Woche eine Sprechstunde der aufsuchenden medizinischen Hilfe. Dort können sich Menschen, die nicht über eine Krankenversicherung verfügen, kostenlos von einem Arzt behandeln und beraten lassen. Praxisgebühren fallen dabei nicht an.

Ernst zu nehmende Konflikte gab es im Café Berta entgegen den Befürchtungen vieler bisher nicht. „Wenn es mal etwas lauter wird, schlichten die Gäste meist schon untereinander“, so Thomas Thanscheidt. Wenn es Leute gibt, die sich nicht an die Hausordnung halten, werden sie verwarnt. Wer drei Verwarnungen hat, bekommt Hausverbot. Dazu sei es aber bis jetzt nicht gekommen.
Wer keine eigenen Getränke oder Speisen mitbringen möchte, kann im Café Berta auch antialkoholische Getränke und kleinere Snacks bekommen. Neben einem Billardtisch und einem großen Fernseher wird es auch bald noch einen Kicker geben. Thomas Thanscheidt freut sich über die Identifikation, die viele Besucher bereits mit dem Café zeigen. „Das ist jetzt unser Raum, den lassen wir uns nicht mehr wegnehmen“, so einer der Gäste.
Auch wenn sich das Hauptangebot der Einrichtung an Menschen richtet, die regelmäßig im Freien Alkohol trinken, so freut sich Thomas Thanscheidt über jeden Besucher und sieht im Café Berta nicht nur ein Hilfsangebot, sondern auch eine Begegnungsstätte, in der ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen können. (sese)

Café Berta
Heroldstraße 32 | 44145 Dortmund
montags bis freitags von 12 bis 19 Uhr