30. November 2013 | Pressemitteilung |

bodo-Neustart: Großer Andrang am ersten Verkaufstag

Großer Andrang herrschte am gestrigen Freitag in den Anlaufstellen des gemeinnützigen „bodo e.V.“ in Bochum und Dortmund. Der Verein gibt das soziale Straßenmagazin heraus, das von Menschen in sozialen Notlagen auf der Straße verkauft wird. Die Hälfte des Verkaufspreis behält der Verkäufer.
Am Freitag erschien die Dezember-„bodo“ – erstmals im Magazindruck, deutlich erweitert und zum neuen Verkaufspreis von 2,50 Euro. Sogar ehemalige Verkäufer wollten beim Neustart der bodo dabei zu sein.

Allein in der Dortmunder Anlaufstelle am Schwanenwall drängten sich um 10 Uhr mehr als 50 Verkäuferinnen und Verkäufer des Straßenmagazins und warteten geduldig auf die Ausgabe der ersten Magazin-„bodo“. Vorfreude oder verhaltene Skepsis, vor allem aber Neugierde bestimmten die Gefühlslage der Wartenden.
Im Dortmunder Buchladen des Vereins blätterten die Verkäufer interessiert im neuen Heft. „Wir müssen ja viel erklären, jetzt wo alles neu ist“, sagte Jutta, Verkäuferin an der Rheinischen Straße. „Man muss ja schon wissen, für was man 2,50 Euro haben will.“
„Das erste, was auffällt, ist, wie schwer das Heft ist“, lachte Gökkan, Verkäufer an der Dortmunder Saarlandstraße. „Da habt ihr uns ja ganz schön was zu schleppen gegeben.“
Walter, Verkäufer an der Dortmunder Kaiserstraße, gab sich skeptisch: „Wenn Dinge teurer werden, findet das ja erst mal keiner gut. Ich hoffe, dass meine Kunden merken, dass ,bodo' jetzt wirklich ganz anders ist, und dass sie das annehmen. Ich bin gespannt.“

Den ganzen Tag über kamen weitere Verkäufer in die Anlaufstellen, darunter einige, die die Angebote des Vereins lange nicht genutzt hatten. Und sogar ehemalige Verkäufer, deren Leben sich dank „bodo“ inzwischen grundlegend geändert hat, kamen zu Besuch. Martin, der als vor zwei Jahren als junger Obdachloser zu „bodo“ kam und nun eine Ausbildung begonnen hat, schaute vorbei und Gerd, lange Verkäufer am Dortmunder Hansaplatz und nun in Wohnung und Festanstellung, hatte sich eigens Urlaub genommen: „,bodo' ist ein wichtiger Teil meines Lebens, da will ich schließlich wissen, was ihr jetzt ohne mich macht“, sagte Gerd.

„bodo“-Mitarbeiter Oliver Philipp, zuständig für die Betreuung der Verkäufer: „Die Stimmung ist erstaunlich positiv. Besonders gut kommt die Fotostrecke mit einer Auswahl von Verkäufern an. Das war aber auch ein tolles Fotoshooting.“
„bodo“-Redaktionsleiter Bastian Pütter: „Die Verkäufer wissen ja, dass es uns um sie geht. Wir wollten, dass etwas mehr Geld bei ihnen bleibt. Der Verkauf des Staßenmagazins ist eine harte Arbeit, vor allem gemessen am kleinen Zuverdienst, den er bedeutet. Um einen höheren Preis zu rechtfertigen, mussten wir in Qualität deutlich sichtbar erhöhen. Das ist uns gelungen.“
Besonders freut sich die Redaktion über die Weihnachtsgeschichte, die „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh exklusiv für die sozialen Straßenzeitungen verfasste.

Am Nachmittag kamen bereits die ersten Rückmeldungen in den Anlaufstellen an. „Die Leute sind sehr neugierig“, sagte der Dortmunder Verkäufer Sefa. „Drei haben mir zwar gesagt, dass ihnen der Preis zu hoch ist, aber die kommen bestimmt wieder.“ Christina, Verkäuferin in Bochum: „Ich habe ja erst mal nur ein paar Zeitungen geholt. Ich wusste nicht, wie das ankommt. Jetzt brauch' ich schon neue.“

Foto: Sebastian Sellhorst

INFO
„bodo“ ist das soziale Straßenmagazin für Dortmund, Bochum und Umgebung. JournalistInnen erstellen ein 48-seitiges Magazin mit Interviews, Reportagen und Fotostrecken aus der Region. Das Ziel: Einerseits eine Lobby zu sein für die Menschen am Rand, andererseits ein gutes journalistisches Produkt zu produzieren, das seinen Preis wert ist.

Das soziale Straßenmagazin bietet für mehr als 100 Menschen in Not die Möglichkeit zu einem selbst organisierten Zuverdienst. „bodo“-Vertriebsleiter Oliver Philipp: „Die sozialen Gewinne für die VerkäuferInnen gehen weit darüber hinaus: neues Selbstwertgefühl, Gemeinschaft, Tagesstruktur, Zugang zu Hilfe und Beratung – ,bodo' verändert!“

Herausgeber ist der gemeinnützige „bodo e.V.“, der Beratung und Einzelfallhilfen anbietet und weitere Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte betreibt.