4. Juli 2012 | Soziales |

Aufruf: Kinder verdienen mehr!

„Investitionen in Bildung und Teilhabe sind Investitionen in die Zukunft. Mit den unabweisbaren Defiziten bei der Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wollen wir uns nicht abfinden: Kinder verdienen mehr!“

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat einen Aufruf initiiert, mit dem die UnterzeichnerInnen die Bundesregierung auffordern, Kinderarmut wirkungsvoll zu bekämpfen und ihr endlich etwas Wirkungsvolles entgegenzusetzen.
Mehr als zwei Jahre nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Bundesregierung verpflichtet hatte, bessere Bildungs- und Teilhabechancen für arme Kinder zu schaffen, habe sich wenig geändert, beklagt der Verband.
„Die Kinderarmut in Deutschland hat sich auf hohem Niveau verfestigt“, so der Paritätische. „Jedes siebte Kind unter 15 Jahren lebt heute von Hartz IV, in Ostdeutschland sogar jedes vierte. Armut lastet auf diesen Kindern nicht nur kurzfristig, sondern prägt ihre Kindheit über mehrere Jahre. Knapp die Hälfte der Kinder in Hartz IV bezieht diese Leistung bereits seit mehr als zwei Jahren. In bestimmten Regionen Deutschlands tritt Armut so geballt auf, dass das Umfeld von Kindern und Jugendlichen von Langzeitarbeitslosigkeit und schwierigen Lebensverhältnissen bestimmt ist.“
Gefordert werden verlässliche Angebote zur Bildung und Teilhabe statt bürokratischer Hürden. Mittel dazu soll ein einklagbarer Rechtsanspruch für Kinder und Jugendliche auf Förderleistungen im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) sein.
Die so genannten Bildungs- und Teilhabeleistungen kämen bei den allermeisten Kindern und Jugendlichen nicht an. Nur rund ein Fünftel der verfügbaren Gelder wurde bislang für die Familien abgerufen: „Die Aufsplitterung der Zuständigkeiten für Familien im Hartz-IV-Bezug, in der Sozialhilfe, mit Bezug von Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes macht das zergliederte Regelwerk zu einem Spezialgebiet für Expertinnen und Experten.“
Zusätzlich fordert der Paritätische eine Überprüfung und Neuberechnung der Regelsätze für Kinder und Jugendliche „Die geltenden Kinderregelsätze sind deutlich zu niedrig bemessen. Nicht einmal die notwendigen Güter des täglichen Bedarfs können von Regelsätzen zwischen 219 und 287 Euro bestritten werden.“
Der Aufruf schließt mit der kämpferischen Forderung: „Investitionen in Bildung und Teilhabe sind Investitionen in die Zukunft. Mit den unabweisbaren Defizite bei der Förderung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wollen wir uns nicht abfinden: Kinder verdienen mehr!“