5. April 2013 | Kommentar |

Alarm! Kriminalität steigt dramatisch!

Kommentar

Die Welt ist schlecht und es wird immer schlimmer – so wird seit ihrer Erfindung auf Verbrechensstatistiken reagiert, zuletzt auf Dortmunds Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2011.

2011 war das Jahr, in dem Dortmund die „Ekelhäuser“ erfand, in dem „Bulgarenbanden“ einfielen und in dem der Untergang des Abendlandes nur durch Straßenprostitutionsverbot und „Taskforce Nordstadt“ abgewendet werden konnte. Eigentlich Grund genug, um nach den Verbindungen von polizeilicher, gefühlter und berichteter Wirklichkeit zu fragen.
Unstrittig ist: es gibt eine deutliche Zunahme von „reisender Eigentumskriminalität“ durch Gruppen, die gezielt Einbruchsdelikte begehen. Und es gibt bei Diebstahldelikten vor allem aus PKW einen deutlichen Anstieg. Alles andere in der PKS bedarf der Deutung.
Der Anstieg von über 63 Prozent (!) bei „Beförderungserschleichungen“ heißt nicht, dass es einen einzigen Schwarzfahrer mehr gibt, sondern dass die Verkehrsbetriebe groß in Überwachung investieren.
Ähnliches gilt für Rauschgiftdelikte, die um verblüffende 20 Prozent stiegen. Würden nur morgen früh flächendeckend Durchsuchungen aller Schülerinnen und Schüler durchgeführt, könnte die nächste PKS einen Anstieg um mehrere Hundert Prozent melden: Bei den Kontrolldelikten erscheint Kriminalität vollends gemacht. Ihre Verfolgung erzeugt statistisch Kriminalität.
In der Nordstadt konnte jeder sehen, wie die „Taskforce“ erst die Drogenszene ignorierte und stattdessen mit aggressivem Kontrolldruck die Bulgaren von der Straße vertrieb (und dabei Delikte sammelte). Als das erledigt war, gerieten Dealer und Umschlagplätze wie Cafés und Kioske in den Fokus. Nicht deren Zahl hatte sich geändert, sondern die der Ordnungshüter mit Zeit.
Apropos: Das Verbot der Straßenprostitution führte zu einem Anstieg der Sexualdelikte um 57 Prozent. Auch das Erfinden neuer Delikte macht Kriminalität. Dies und viel mehr steht in der PKS. In der Zeitung steht: „Fast 10 Prozent mehr Straftaten“.