30. Juni 2015 | Straßenmagazin | bp

7000 Nachbarn

Eva Ruth Wemme ist eigentlich literarische Übersetzerin. Seit 2011 begleitet sie in Berlin rumänische Roma als Dolmetscherin und Beraterin. Aus ihren Erfahrungen hat sie ein Buch gemacht. „Meine 7.000 Nachbarn“ ist einzigartig.

Seit 2007 kommen neben Ärzten und Ingenieuren auch die Unerwünschten. Roma aus den EU-Beitrittsländern Rumänien und Bulgarien. Sie sind gleichzeitig sichtbar und unsichtbar. Sie sind arm, doch angeblich anders arm. Sie rufen jahrhundertealte Klischees wach und erzeugen sie doch angeblich erst.

Eva Ruth Wemme taucht eben nicht ein in eine „fremde Welt“. Exotismus und romantisierende Romaliebe liegen ihr fern. Ihr Blick ist dafür zu präzise. Sie trifft Menschen, die ländliche Armut in großstädtische gewechselt haben. Die verzweifelt Wege suchen, auch ohne Krankenversicherung zu entbinden, die sich gemeinsam mit ihrer Übersetzerin an deutschem Bürokratie-Beton die Zähne ausbeißen. Sie übersetzt Mahn- und Drohbriefe, Formulare und ärztliche Diagnosen und wird dabei eine von ihnen, ja. Aber nie sind „die“ das kategorisch Andere.

Wemme erzählt schmerzhaft konkret, protokolliert fast, ihre Protagonisten mit ihrem Mut und ihrer Verzweiflung reihen sich fast atemlos aneinander und erzeugen einen Sog. „Meine 7.000 Nachbarn“ ist Literatur.

Eva Ruth Wemme | Meine 7.000 Nachbarn
ISBN 978-3-95732-080-3
Verbrecher Verlag | 14 Euro