3. September 2012 | Soziales |

517 Zwangsräumungen täglich

Die Krise in Spanien spitzt sich immer weiter zu. Hunderttausende Haushalte sind seit 2008 zwangsgeräumt worden. Einer dramatischen Zunahme der Obdachlosigkeit stehen bis zu sechs Millionen leere Wohnungen gegenüber.

Am Donnerstag, 6.September um 19.30 Uhr lädt das Mieterforum Ruhr ins Soziale Zentrum Bochum in der Josephstraße 2. Drei Aktivisten der spanischen Bewegung gegen Zwangsräumungen aus Madrid und Barcelona werden ausführlich über die Situation und den Widerstand berichten.
bodo hat mit einer Reportage auf die schwierige Lage der Betroffenen hingewiesen.
Das Mieterforum schreibt: „Der Anteil von Mietwohnungen am gesamten Wohnungsbestand liegt in Spanien bei lediglich 10%. Daher ist es die Regel, dass auch NormalverdienerInnen Kredite aufnehmen, um eine Wohnung zu erwerben. Für die geräumten Familien ist die Situation ein real gewordener Alptraum: Die Zahlungsunfähigkeit führt dazu, dass sich die kreditgebenden Banken ihre Wohnungen aneignen – da der Wert der Wohnungen mit dem Platzen der Immobilienblase massiv gesunken ist zu einem Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises. Die Betroffenen verlieren nicht nur ihr Dach über dem Kopf: Da es in Spanien keine Privatinsolvenz mit Restschuldbefreiung gibt, bleiben sie auch noch auf einem Berg von Schulden sitzen, den sie niemals im Leben abbezahlen können!
Aber immer mehr Menschen wehren sich gegen diese Situation: Im ganzen Land wurden mittlerweile mehrere hundert Zwangsräumungen verhindert, weil sich NachbarInnen gemeinsam der Polizei in den Weg gestellt haben. Die Betroffenen und ihre UnterstützerInnen üben Druck auf die Banken
aus, damit sie weiterhin in ihren Wohnungen wohnen bleiben können. In einigen Städten sind obdachlos gewordene Familien dazu übergegangen, Häuser zu besetzen. Parallel läuft derzeit eine Gesetzesinitiative, die die Entschuldung und das Behalten der Wohnung bei einer einkommensabhängigen Miete regeln soll.“