1. September 2017 | Straßenmagazin | sese

5.000 Kilometer durch Deutschland

Mit Federn am Cowboyhut sitzt Burkhard Schrempp im bodo-Verkäufercafé in der Schwanenstraße in Dortmund. Vor der Tür steht sein Bollerwagen, er hat Zelt und Schlafsack und eine tragische Geschichte im Gepäck. Und ein Ziel: Bei einer Wanderung durch alle Bundesländer sammelt er Geld für Kinderkliniken.

Vor elf Jahren starben Burkhard Schrempps Frau und sein Sohn bei einem Autounfall. Seine Tochter überlebte schwer verletzt. „Als ich nach dem schweren Unfall meiner Familie gesehen habe, mit wie viel Hingabe die Ärzte in der Klinik sich um meine Tochter gekümmert haben, wurde mir klar, dass ich irgendwann etwas zurückgeben möchte. Als mir eines Tages der Unfallverursacher bei meinem Job in einem Baumarkt begegnete und ich dort fast die Fassung verloren hätte, stand fest, dass ich etwas unternehmen muss, um das Ereignis zu verarbeiten. So entstand die Idee für eine Spendenwanderung durch Deutschland“, erzählt er uns.

Nach einigen Wochen Planung und reichlich Zuspruch von Freunden und Bekannten setzt Burkhart seinen Plan in die Tat um, kündigt seine Wohnung und macht sich mit Bollerwagen, Zelt und zwei paar Wanderschuhen auf den Weg. „In Laar in der Nähe von Freiburg, in meinem Heimatort, bin ich aufgebrochen, um einmal durch Deutschland zu wandern.“

Ein genaues Ziel hat er sich dabei nicht gesetzt. „Ich wusste nur, dass ich am 1. November wieder bei meiner Arbeitsstelle sein muss.“ In einem Deutschland-Reiseführer habe er einige Landmarken und Sehenswürdigkeiten angekreuzt, die er besuchen wollte. Mit dem Geld, dass er auf seiner Reise sammelt, möchte er Kinder unterstützen, die aufwendige Behandlungen benötigen, so wie seine Tochter vor zehn Jahren.

Mittlerweile hat er 4.000 Kilometer hinter sich und fast jede Ecke Deutschlands bereist. „Ich war schon an der Küste, auf Husum, hab mir mittlerweile 32 verschiedene Kirchen angeschaut und eine ganze Menge gesehen von Deutschland. Im Schnitt komme ich auf ca. 25 bis 30 Kilometer am Tag. Aber es gibt auch Tage, an denen es mich packt und ich am Ende 60 Kilometer gelaufen bin“, erzählt der 55-Jährige.

Zurzeit ist er auf dem Weg zurück in den Süden. Die Nächte verbringt er dabei in seinem Zelt im Wald oder auf Feldern. „Eigentlich ist Wildcampen ja nicht erlaubt in Deutschland. Ich bin auch schon mehrfach von der Polizei angesprochen worden, wenn ich irgendwo mein Zelt aufgeschlagen habe. Bisher konnte ich die Situation aber immer entschärfen, indem ich darauf hingewiesen habe, dass ich kein Feuer mache und nicht nur meinen eigenen Müll, sondern auch allen anderen Unrat den ich finde, beseitige. Damit war die Situation bisher immer geklärt.“

Dass draußen zu leben auch Gefahren mit sich bringt, musste er erfahren, als man seinen Bollerwagen plünderte und sein Zelt aufschnitt, als er in einem Wirtshaus Rast machte. Dank freundlicher Unterstützer konnte der den Verlust aber ersetzen und seine Reise fortsetzen.

„Es ist unglaublich, wie hilfsbereit die Leute sind, die einem begegnen. Ich kann die netten Begegnungen meiner Reise schon gar nicht mehr zählen. Das hilft einem sehr.“ Wenn er wieder zuhause ist, möchte Burkhard ein Buch veröffentlichen und Vorträge über seine Reise halten.