30. September 2016 | Neues von bodo | bp

"Dieselknecht" beim 2. Freitag

Am 14. Oktober im bodo-Buchladen

Am 14. Oktober im bodo-Buchladen
Foto: Dieselknecht

Es gibt Musiker, die finden ihren Stil und machen es sich gemütlich. Und es gibt die anderen. Die vier Dortmunder von Dieselknecht stehen immer noch mit beiden Beinen ihrer Musiksozialisation in Punk und Metal. Irgendwann jedoch schalteten sie die Verstärker ab, entdeckten Banjo, Dobro und Kontrabass und die amerikanischen Außenseiterhelden des Bluegrass und Folk. Die Reise führte weiter, zurück über den Atlantik und zur verschütteten deutschsprachigen Musiktradition der Wander- und Arbeiterlieder. Hinzu kamen Eigenkompositionen, so eigenwillig wie energetisch. Auf ihrer Deutschlandtour machen Dieselknecht am 14. Oktober Halt bei bodo.

Wo nichts geplant ist, entsteht der rote Faden erst in der Rückschau. „Pa“, der eigentlich Frank heißt und als Bewährungshelfer arbeitet – auch die anderen kommen aus sozialen Berufen –, sagt: „Irgendwann um die 30 hast du den Eindruck, so viel schon gehört zu haben und brauchst etwas anderes.“ Also nimmt er das bisher unbeachtete Banjo aus dem Schrank, irgendwann gekauft wegen einer Kindheitserinnerung: In „Ein ausgekochtes Schlitzohr“, dem Kinohit des Jahres 1977, schmuggelt der Trucker „Bandit“, gespielt von Burt Reynolds, 400 Kisten Bier von Texas nach Georgia, begleitet von Jerry Reeds hypnotischem Bluegrass-Soundtrack „East Bound and Down”.

Als Frank auf einer Party die Mitstreiter seiner verflossenen Rockband wiedertrifft, stellen sie verblüfft fest, dass man inzwischen die gleiche Musik hört: Johnny Cash, Hank Williams. Mit neuem Enthusiasmus widmen die Musiker sich dem Nachspielen von Klassikern des Genres. Es folgen Jahre als Country-Überfallkommando „Mountain Boys“, das sich an der stromlosen Bewegungsfreiheit und an überraschten Zuhörern erfreut: die Energie und das Tempo des Punk mit dem für viele fremdartig klingenden Sound der USA jenseits der großen Städte.

Wie wäre es, das alles in den hiesigen Musikkosmos und vor allem in die eigene Sprache zu holen? Der Musikerkollege und Produzent Guntmar Feuerstein hatte es zuvor schon an sie herangetragen, die Band war skeptisch geblieben. Als für den Film „Für einen unbekannten Hund“ der Reding-Brüder ein deutscher Text zu vertonen ist, weicht schließlich die Skepsis. „Das hatte so was Deutschpunk mäßiges, das hat riesig Spaß gemacht“, sagt „Pa“. Mit Feuerstein arbeiten die vier, nun unter dem Namen „Dieselknecht“, eine ganze Reihe von Stücken aus, entdecken deutsche Traditionals und suchen nicht kontaminierte Fahrten- und Wanderlieder. „Wenn ein Stück schlecht riecht, lassen wir die Finger davon“, ist sich die Band einig.

Inzwischen dominieren selbst geschriebene Stücke – eigensinnig, wie die Band ist, mit Vorliebe auf Vinyl veröffentlicht. Stampfende, tight gespielte Hymnen, nur ab und an noch in halsbrecherischem Tempo, dafür mit betörend rauem Harmoniegesang. Mitreißende, handgemachte Musik, die sich jeder Einordnung entzieht. „Schreibst du Punk, kommen die über 50 nicht. Schreibst du Liedermacher, kommen die unter 50 nicht“, sagt ihr Berliner Labelboss mit einem Augenzwinkern. Oder vielleicht doch.

Dieselknecht am 2. Freitag, Benefiz
14.10., 19.30 Uhr
bodo Buchladen, Schwanenwall 36 – 38, Dortmund